Dr. Gaby Huch | Roedernstraße 49 b | 12623 Berlin | 0172 2736985 | gaby@huch.berlin
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1807

01.01.

Besuch der Schlosskirche in Königsberg.

03.01.

Die Kinder reisen nach Memel ab.

04.01.

Entlassung des Freiherrn vom Stein; Hardenberg wird leitender Minister in Preußen.

05.01.

Kapitulation Breslaus.

06.01.

Der Hof begibt sich über Rositten, Schwarzort und das Haff nach Memel.

08.01.

Ankunft in Memel: "Nachricht, der König sei da. Wir eilten zu ihm. Er war heiter und guter Dinge, wie gewöhnlich. Deputation der Kaufleute. Menschengedränge vor dem Haus." (Delbrück) - Dem Königspaar wird das Haus des Kaufmanns Friedrich Ludwig Consentius und seiner Frau Johanna Katharina zur Verfügung gestellt, sie hatte es von ihrem Vater,  Konsul Lorck geerbt.

18.01.

Besuch der Litauischen Kirche und Wachtparade. Delbrück schreibt in seinem Tagebuch von einer "Promenade auf dem Molo und untern Linden. Auf der Spitze des Molos wurde dem König der Vorschlag gemacht, einen Winterhafen anzulegen, unweit des Leuchtturms."

21.01.

Delbrück notiert: "Aus dem projektierten Staats-Konseil ist nichts geworden. Anfangs sollte es bestehen aus Rüchel, Hardenberg und Stein. H. unter dem Namen des Finanzministers, in der Tat aber der Auswärtigen Angelegenheiten; Stein umgekehrt. Welches Spiel hinter den Kulissen! Hardenberg lehnte es bestimmt ab, weil er mit Beyme auf keine Weise würde übereinstimmend denken und handeln können. Stein führte anfangs dasselbe an, nahm diesen Grund wieder zurück, erschien aber nicht auf der Konferenz, wo Beyme das Protokoll führte. So löste sich die Sache auf. Zastrow ward inzwischen Minister des Äußeren. Steins Entlassung ist ihm durch die, übrigens wohl verdiente, Form sehr empfindlich geworden und er hat, taktlos genug, dies in seiner Anzeige durch die Königsbergische Zeitung durchschimmern lassen. Aus dem Konseil selbst hätte nie etwas werden können. Besser würde es wohl sein, wenn nach dem Frieden das General-Direktorium neu organisiert würde und der König den Sitzungen desselben oft beiwohnte." Zwei Tage später setzte er fort: "Es ist nicht zu Stande gekommen, aber die, welche nur in dieser Voraussetzung zu Ministern gewählt wurden, sind geblieben in Verhältnissen und mit Vollmachten, dass es nicht mehr möglich ist, sie zu kontrollieren. Was den Nationalgeist betrifft, so ist dieser im Kriegswesen sichtbar gesunken, allermeist bei den Befehlenden. Der gemeine Mann hat mitunter sich gut genommen, nur nicht die dritten Bataillons. Im Zivil hat sich die meiste Pünktlichkeit und Rechtlichkeit gezeigt. Tadelnswürdig und mehr als das ist der von den Behörden in Berlin geleistete Eid, dessen Inhalt eine Art Huldigung in sich schließt. ... Der König hätte nach dem Unglück bei Auerstedt in Magdeburg bleiben müssen, um die Armee zu sammeln. Seine Ratgeber waren dagegen, und die weite Reise glich einer Flucht, vielmehr war eine Flucht, so demütigend als nur eine sein kann."

24.01.

Ankunft des Militär-Gouverneurs von St. Petersburg.

28.01.

Frieden zwischen Preußen und Großbritannien.

01.02.

"Man versammelte sich zum Tee beim Kronprinzen. Argelander hatte die ganze Reihe seiner Zimmer hergegeben. Außer den Majestäten und dem Hofstaate waren geladen Prinzessin Wilhelm nebst Zubehör, Minister von Zastrow, Hufeland, Goerke und sämtliche Wirtsleute der jungen Königlichen Familie; Griffings, Lembke, Tiede, Consentius. Ich hatte dies gewagt ohne anzufragen. Es wurde sehr gebilligt, und König sowohl als Königin unterhielten sich mit All' und Jedem. Das Ganze war langweilig und beängstigend. Ein Klavierspieler missglückte. Am meisten Beifall fand der Punsch." (Delbrück) - Auch Gräfin Voss schreibt über Langeweile "in einem bis jetzt noch unerreichten Grade".

08.02.

Besuch der Kirche  - "Ein Feldjäger war angekommen. Der König hat Briefe aus Pommern und der Mark. Man bittet um Anführer, damit die Festungen entsetzt würden. Die Regimenter finden sich immer zahlreicher zusammen. Von Herzberg sollen kaum 15 Mann fehlen. Der König selbst äußert sich kleinmütig." (Delbrück)

09.02.

Der "große Kriegsrat" tagt.

16.02.

Ankunft des französischen Unterhändlers, General Bertrand; Audienz beim König - Delbrück notiert in seinem Tagebuch, Bertrand sein nach der Audienz verwundert gewesen, "überall eine ganz andre Stimmung zu finden und so viel Wohlstand hier am Orte".

19.02.

Dejeuner beim Kronprinzen für beide Majestäten, den Herzog von Coburg und den gesamten Hofstaat.

26.02.

"Immer Schneegestöber. Die Herrschaften fuhren zum Strand, um ein großes englisches Schiff zu sehen, das in den Hafen einlief. Abends kamen die Radziwills, der Herzog von Coburg und Prinzess Wilhelm. Wassiltschikow kam von Petersburg an, sprach lange allein mit dem König und reiste sogleich wieder ab." (Voss)

01.03.

Besuch der Kirche. Dankfest für den Sieg bei Preußisch-Eylau.

03.03.

Ankunft des Prinzen Bagration aus Petersburg, er erhält den Schwarzen Adlerorden.

06.03.

"… zum König, wo Kleinmut vielfacher Art herrschte. Denn die Welthändel schienen wiederum sehr bedenklich. Man gab Königsberg und Danzig verloren." (Delbrück)

10.03.

Geburtstag der Königin. "Auf allen Schiffen wehten die Flaggen, vor dem Hause waren wie ein Gezelt ausgespannt die Flaggen der befreundeten Nationen. Vorbeimarsch des Pommerschen Bataillons; früher hatte ein Gleiches stattgefunden mit der Garde. Förmliches, zahlreiches Dejeuner auf Berliner Fuß. Unbehagliche Hitze. Die Mittagstafel war sehr glänzend: drei Prinzessinnen, Wilhelm, Luise und Coburg; Herzog von Coburg, Fürst Gallizin, kommend von Petersburg, Radziwill; zwei Russische Damen, Fr. von Uwaroff und Fr. von Manteuffel; vier Minister, Hardenberg, Voß, Schroetter und Zastrow, alle anwesenden Generale und Obersten und sämtliche Eskadron-Chefs der Garde du Corps. Beide Gesandtschaften. Es wurde an zwei Tafeln gespeist. Schlechte Tafelmusik. Rührung der Königin nach der Tafel. Ach, welche Erinnerungen mochten in ihrem Gemüt erwacht sein! Man trennte sich 4 Uhr. Um halb 7 Uhr war ein glänzender Teezirkel. Die ganze Tischgesellschaft. Man spielte teils Commerce, teils Whistspiel. Die Stadt war erleuchtet. Umfahrt. Unser Bericht reizte die Majestäten, auch durch die Hauptstraßen zu fahren. Erst um 11 Uhr zurück." (Delbrück)

11.03.

78. Geburtstag der Gräfin Voss "ganz auf Berliner Fuß". (Delbrück)

17.03.

Über die Abende schreibt Gräfin Voss in ihrem Tagebuch: "Abends wieder die Württemberg, Coburg, Radziwills und Prinzess Wilhelm; immer diese ewigen jeux d'esprit, die ich durchaus nicht liebe und bei denen wirklich wenig esprit herrscht."

18.03.

Anlässlich der Anwesenheit des Adjutanten des Großfürsten Constantin äußert der König gegenüber Delbrück den Wunsch, "einige Formeln der gewöhnlichen Unterhaltung in russischer Sprache zu haben". Am nächsten Tag fertigt Delbrück für ihn ein "russisches Formelbuch mit lateinischen Lettern".

20.03.

Ankunft des Prinzen von Oranien aus Danzig.

21.03.

Gräfin Voss notiert in ihrem Tagebuch: "Seit zehn Tagen kommt er [Hardenberg] jeden Morgen mit Voss und Schroetter, es sind immer Beratungen".

22.03.

Geburtstag des Prinzen Wilhelm.

27.03.

Karfreitag. Verabschiedung der Herzogin von Württemberg (nach Prag); der Herzog von Coburg (geht nach Riga) erhält den Schwarzer Adlerorden.

29.03.

Besuch der Kirche (Ostern). Beginn der neunwöchigen Schlacht um Kolberg/Pommern, die Festung wird bis zum Waffenstillstand gehalten.

02.04.

Ankunft des russischen Kaisers in Begleitung der Grafen Tolstoi.

04.04.

Abreise des Kaisers und der Majestäten über Tilsit nach Kydullen (an der preußisch-russischen Grenze), wo Kaiser Alexander ihnen die russischen Garden vorführt. - "Wir hatten Briefe von Jagow, dass die Truppen wunderschön beim Vorbeimarsch gewesen und dass die Majestäten sehr zufrieden gewesen wären. Sie haben täglich Diners von 90 Couverts, zwei Generäle haben den Dienst beim König. Am 11. werden sie weitergehen und die Königin bei der Durchreise sich einige Tage in Königsberg aufhalten." (Voss)

10.04.807

Die Königin kehrt allein zurück. In  Briefen schildert sie dem König ihre Reise  (Rothkirch). Am 10. April trifft sie in Königsberg ein. Wegen der Wegeverhältnisse muss sie hier bleiben, aus der "Übernachtungsstation" wird ein zweimonatiger Aufenthalt, den sie im Haus des Grafen Schlieben verbringt. Der König, der bis zum 14. April in Kydullen bleibt, schreibt an Luise: "Diese abendlichen Sitzungen sind etwas peinlich, niemand spricht als er und ich, und dieses Ich ist von keiner übertriebenen Beredsamkeit." (Griewank)

15.04.

Über Darkehmen, Schippenbeil nach Bartenstein (Ankunft 18. April). "Das Haff ist derartig über seine Ufer getreten, dass es ganze Gegenden überschwemmt hat, man passiert die Ortschaften in Kähnen … die Wagen bleiben vor Kranz zurück." (Rothkirch)

25.04.

Gräfin Voss schreibt in ihrem Tagebuch: "L'Estocq hat den Schwarzen Adler. Jede Kompagnie, die bei Preußisch-Eylau war, hat einen Monat Löhnung extra erhalten und die Leute, die sich ausgezeichnet haben, Medaillen, Das ist schön vom König."  Die Ankunft in Königsberg ist ungewiss: "Bedienter der Gräfin von Voß meldend, dass Jago an Köckritz unterm 20. geschrieben habe, Kaiser und König bereisen die Vorposten. Auf dem Rückwege Consentius mit widrigen Äußerungen über die Offenhaltung seines Haues bei gänzlicher Ungewissheit, ob der König und die Königin wiederkommen oder nicht. ... Königsberger Zeitung. ... Vor Tafel blieb Zeit, die Hauptartikel der Zeitung vorzulesen. Wohltat der Königin an die Lazarette in K. Zusammenkunft des Kaisers und Königs in Polangen. Ankunft des Letztern allhier. Nichts von Danzig." (Delbrück)

26.04.

Bündnisvertrag zwischen Preußen und Russland.

30.04.

Ankunft des Königs in Königsberg. - Wegen der bevorstehenden Ankunft schreibt ihm Luise: "… ob Du die Unterkunft annehmen würdest, die der höfliche Graf Schlieben für Dich in seinem Hause gegenüber meinen Zimmern vorbereitet hat, in demselben Haus natürlich. ... wenn Du nicht  annimmst, willst Du, dass ich im Schloss bin oder willst Du aus dem Wagen steigen und soll ich Dich in das Haus, das ich bewohne, führen? Ich glaube, Du würdest damit alles Aufsehen vermeiden. Ich habe gelogen, so gut ich konnte, und allen Leuten gesagt, Du würdest erst spät kommen."

04.05.

Der König geht zurück nach Bartenstein. Delbrück, der mit den Prinzen in Memel ist, notiert in seinem Tagebuch: "Ein Fuhrmann aus Berlin besuchte uns. Der Feind hat seine Pferde in stetem Dienst. Auf seinen Pass hat er es gewagt nach Stargard zu gehen, von da über Kolberg hierher, um zu sehen, wie es dem Könige und der Königin gehe. Er sprach mit Kraft und Gefühl. Zwar litten sie alle viel, aber sie wollten gern leiden, wenn nur die Herrschaft zurück wäre. Auf dem Wege überall die beste Stimmung. In Kolberg ein Feuereifer ohne Maß bei Jung und Alt, Weib und Mann. Das Schillsche Corps über alles Lob erhaben."

09.05.

Geburtstag des Großfürsten.

12.05.

Luise schreibt aus Königsberg an den König: "Ich lade die ehrwürdigsten Personen von Königsberg zum Mittagessen ein; ich bin liebenswürdig, höflich und erzähle ihnen von Dir, um mir ihr Herz zu gewinnen." (GStA PK, BPH, Rep. 49 J 162). Sie äußert ihren Unmut über Zastrow, Voß und Schroetter und gibt eine positive Einschätzung Hardenbergs (Rotkirch).

19.05.

Der König schreibt an Luise: "Die Fahrt nach Heiligenbeil ist jetzt festgesetzt. Ich fahre morgen von hier ab und der Kaiser folgt mir … einen Tag später. Ich habe L'Estocq sehr ausführliche Anweisungen für den Empfang des Kaisers gegeben … und es soll weder an Eskorten noch an Ehrenwachen und Ordonnanzen aller Art fehlen. ... Ich werde mich in Tilsit nur so lange aufhalten, bis diese unangenehme Geschichte erledigt ist." (Griewank) Am 24. Mai geht es weiter nach Königsberg und von hier aus am 25. Mai nach Pillau.

26.05.

Kapitulation Danzigs.

28.05.

Rückkehr nach Königsberg. Luise schreibt an ihren Bruder Georg: "Der russische Kaiser kam den 2. nach Memel, wünschte dem König und mir die Garde zu präsentieren, wir gingen den 4. nach Kydullen ab, kamen den 5. an und bewunderten den 6. und 7. die Garden, den 8. und 9. ruhte ich mich aus, den 10. reiste ich mit Wind, Wetter und Schmutz herum, den 12. hier an, wohnte bei Friederike, schlief mit ihr in einem Zimmer, war alle Momente mit und bei ihr, lebte wirklich so glücklich und froh, wie man es im jetzigen Augenblick sein kann ... Heute Morgen las ich Deinen Brief mit F[riederike] unter freiem Himmel. Der König war in Pillau, um die Retranchements auf der Nehrung zu sehen und die da liegenden schwedischen und englischen Kriegsschiffe, die Blücher und sein Koros mitgenommen haben … Ich war ihm mit F[riederike] eine Meile entgegengefahren nach Holstein, ein göttliches Landhaus, was an der Pregel liegt und eine herrliche Aussicht hat." (Rothkirch)

08.06.

Nach Tilsit. Quartier im Haus des Kreisjustizkommissar Karl Ludwig Siehr. Zusammentreffen des Königs mit dem russischen Zaren

09.06.

"… seit Mittag sei das Gerücht im Umlauf, die vereinigte Armee sei total geschlagen, König und Kaiser würden morgen hier eintreffen … Ich trieb Reimann hinweg, Nachrichten einzuziehen. … An dem Gerücht ist nichts, im Gegenteil, die neuesten Nachrichten immer noch günstig." (Delbrück)

10.06.

Die Königin kommt in Memel an: "Um 6 Uhr bestiegen wir das Boot nach dem Sandkruge, um die Königin zu bewillkommnen. Kaum eine Viertelstunde, so kam sie an im halben Wagen mit der Gräfin Moltke. Die Offiziere Kessel, Pogwitsch und Below nebst den Prinzen am Ufer. Der Zug hinüber geschah in drei Boten. Voran das Corps Hautboisten, Gondel der Königin mit den drei Prinzen, im dritten wir anderen. Am Eingang Salutschüsse. Menge von Zuschauern. Um 1/4 auf 8 Uhr war die Königin im Zimmer. ... Die Nachrichten über das Öffentliche, welche die Königin gab, lauteten nicht so ungünstig." (Delbrück)

12.06.

"Bei Tafel … wurde beiher gesagt, der Kaiser werde auf einige Zeit nach Wilna gehen, der König inzwischen vielleicht hierher kommen. … So war es 3/4 9 Uhr … da erschien der Hofstaat-Sekretär Bussler, Sieg! Sieg! verkündend. Die Franzosen wären bei Heilsberg total geschlagen. Jubelnd stürzten wir die Treppen hinab und ins Freie hinaus zur Königin. Sie begegnete uns mit Luise und Wilhelmine auf der Straße, eilend zu Köckritz. Fast war ihre Freude nicht würdevoll genug. Erhalten hatte sie drei Depeschen durch einen Courier vom König. [Sie] wurden teils bei Köckritz, teils bei der Voss, wohin die Königin, wie im Triumphe sich begab, vorgelesen. Ich eilte zu Argelander zurück, um diese Details der wartenden Gesellschaft zu verkünden ... Die Königin war mir gefolgt und begab sich zur Prinzessin Friederike. Volksmenge in der Allee. Eine Estafette aus Königsberg, die Bennecke überbrachte. Wir wallfahrteten alle mit der Königin zu ihr, um den Abend bei ihr zuzubringen. Die Freude wurde sanfter und beredter." (Delbrück)

13./14.06.

Schlacht bei Friedland (in der Nähe von Königsberg);  entscheidender Sieg Napoleons über Russen und Preußen.

15.06.

Nach Memel. Der König schreibt an Luise: "Wenn trotz Deiner Kriegslisten die amtlichen Personen mir die Ehre antun wollen, mich zu empfangen, so bedeute ihnen oder lasse ihnen vielmehr bedeuten, dass ich ausdrücklich verboten habe, dass mich irgendjemand erwarte." - Verschiedene Meldungen treffen ein, "Viele Familien flüchten aus Königsberg. In Schaken soll es sehr voll sein. ... Noch nichts Offizielles, selbst nicht an Minister, der obendrein wider seine Gewohnheit Mut gezeigt hatte. ... Die Stimmung blieb ruhig. Abends um 10 Uhr, als wir den Hof verließen, noch nichts Offizielles. Nichts überwältigt mehr als so mannichfaltige, durchkreuzende Gerüchte. Peinlich war mir die Unruhe in der Stadt von Seiten der ankommenden Flüchtlinge." (Delbrück)

16.06.

Nachrichten über den Rückzug L'Estocqs aus Königsberg treffen ein. Fahrt nach Tauerlaken: "Man stieg aus und zeigte sich dem versammelten Volke. Überall schmerzvolle Mienen. Plaw am Ufer in Tränen. Kaufmann Meiner voll kräftiger Äußerungen: Napoleon habe nicht gewonnen, so lange die Königliche Familie noch nicht in seiner Gewalt sei, die er an Würde nicht erreiche ... Beschluss, dass wir nach Riga spätestens morgen abgehen sollten." (Delbrück)

17.06.

Ankunft des Prinzen Heinrich aus Kydullen.

18.06.

Einzug Napoleons in Tilsit.

20.06.

Auf Einladung Alexanders I.  begibt sich der König mit Hardenberg ins Hauptquartier nach Szawle, Ankunft am 21. Juni. - Die Königin bleibt bis 3. Juli in Memel.

21.06.

Waffenstillstand zwischen Frankreich und Russland.

23.06.

Nach Piktupönen am Ufer der Memel in der Nähe des Hauptquartiers von Napoleon.  Gräfin Voss notiert in ihrem Tagebuch: "Benningsen hat einen Waffenstillstand auf vier Wochen abgeschlossen; der Kaiser hat ihn bestätigt, die Königin und wir alle sind in Verzweiflung darüber."

25.06.

Zusammentreffen Kaiser Napoleons und Zar Alexanders auf der Memel bei Piktupönen. Über das Zusammentreffen der Monarchen schreibt Gräfin Voss in ihrem Tagebuch: "Es waren zwei kleine Häuschen auf der Brücke über die Memel errichtet, in dem einen waren die beiden Kaiser, in dem anderen der König. Auch aßen die beiden Kaiser dann zusammen in Tilsit, unser König musste allein in einem Dorfe, eine Meile von der Stadt, bleiben. Welch entsetzliche Friedensbedingungen werden wir bekommen nach einem Vorspiel von so ausgesuchter Feindseligkeit und solchem Übermut."

29.06.

Truppenschauen Napoleons vor den Monarchen.  Luise schreibt an den König ihre Erbitterung gegenüber Napoleon. Als er sie bittet zu kommen, um auf die Forderungen Napoleons mildernd einzuwirken, antwortet sie: "Ich komme, ich fliege nach Tilsit, wenn Du es wünscht, wenn Du glaubst, das ich etwas Gutes wirken kann." (Rothkirch)

01.07.

Delbrück schreibt in seinem Tagebuch: "Die Knechtschaft fängt schon an. Hardenberg, auf Wunsch und Willen Alexanders wieder hervorgerufen, hat auf Napoleons Willen abtreten müssen. Dass auch die Königin (hat) hinreisen müssen, soll Kalckreuth erwirkt haben, der Unverschämte, der sich nicht entblödet hat zu sagten, der König sei noch immer nicht demütig genug. Kalckreuth, der Danzig übergeben hat, wird Feldmarschall und seine Garnison erhält 70 Ehrenzeichen, gleichsam als wolle man mit dem Unglück Staat machen! Was wird dem Courbière zu Teil werden, der Graudenz behauptet hat? Und dieser Kalckreuth, erkannt und anerkannt in seiner Schlechtigkeit, steht nun an der Spitze der Unterhandlung; ihm ist beigesellt Baron von Golz, ein eingeschränkter Kopf. Es wird an Geschäftsmännern fehlen, die übrig bleibenden Provinzen zu besorgen. Klewitz, Borgstede haben nicht die praktische Gewandtheit, welche jetzt allein retten und helfen kann. Ruhige Ertragung des schweren Geschickes und stille Wiederersetzung der Kräfte wird das einzige sein, das der Klugheit gemäß ist."

05.07.

Luise, die in Tilsit am Vortag eingetroffen war, erhält Besuch durch Kaiser Alexander. Am nächsten Tag wird sie mit Napoleon zusammentreffen. Im Frieden von Tilsit zwischen Frankreich, Preußen und Russland verliert Preußen alle Besitzungen zwischen Rhein und Elbe, alle Erwerbungen aus der 2. und 3. Teilung Polens und eines Teils des in der 1. Teilung erworbenen Landes, alle Entschädigungsländer des Reichsdeputationshauptschlusses, die Fürstentümer Baireuth und Ostfriesland. - "… was für ein Friede! … Handel und Gewerbe lagen darnieder, der Kredit im Ausland war zerstört, die Nahrungslosigkeit allgemein, die Verluste in den abgetretenen Provinzen, besonders in Südpreußen, zogen eine Menge Bankrotte nach sich, eine Menge Beamte und Militärpersonen lebten ohne Besoldung, das bare Geld, von den Franzosen als Kontribution fortgeführt, wurde immer seltener, die Gutsbesitzer, Pächter und Bauern erlagen unter der Last der Einquartierung und Kriegsleistungen aller Art, die Armut war der Verzweiflung preisgegeben. Besonders litten die kleinen Städte an den Militärstraßen, die Etappenplätze. Das Elend, obgleich in den Marken schon schrecklich genug, nahm zu, je mehr man sich Ostpreußen näherte, wo der Krieg seinen Tummelpatz aufgeschlagen hatte. Große fruchtbare Landstriche lagen wüst, weil es an Saatgetreide mangelte, die Heere hatten alle Vorräte aufgezehrt, gesundes Brot war eine Seltenheit geworden, das Vieh fand noch weniger Nahrung, und eine Hungersnot mit allen ihren Schrecken fing an zu wüten. ... Eine verheerende Seuche ... raffte Menschen und Vieh hinweg, und in vielen Gegenden starb der fünfte Teil der  Bevölkerung. Ganze Scharen von Bettlern umschwärmten Königsberg ... Aus allen Provinzen des Staates erschienen Abgeordnete beim König, und baten um Hilfe in der dringendsten Not." (Klöden)

10.07.

Rückkehrt nach Memel, Logis im Haus von Friedrich Ludwig Consentius, der königlichen Kinder beim Kaufmann Johann Gottfried Argelander. - "Nachricht von der Ankunft der Majestäten … Er war im ersten Zimmer, in gewöhnlicher Haltung. Er brach das Stillschweigen und erzählte einiges über Napoleon und das künstlich angelegte Bivouaque, wozu 12 Dorfschaften ihre Häuser haben hergeben müssen. Über N. sagte er etwas sehr Kluges: 'Wenn man ihn reiten sieht, nur einmal gesehen hat, so erkannt man den ganzen Mann. Er geht immer in Carrière, unbekümmert, was hinter oder neben ihm fällt und stürzt. Er hat ein Pferd, worauf er sich verlassen kann, und so ist er gewiss, wenigstens sich durchzubringen. Das ist die Hauptsache.'" (Delbrück)

13.07.

Geburtstag der Prinzessin Charlotte.

17.07.

Scharnhorst erhält den Auftrag, "die Reorganisation der Armee zu entwerfen." (Delbrück) Am 25. Juli beginnt die Heeresreform in Preußen.

22.07.

"Nachrichten aus Königsberg melden, Napoleon habe gesagt, keine Stadt der Monarchie habe sich mit mehr Würde benommen. Kein Vivat, kein Zudrang, nicht einmal eine Deputation. Auf Rüchel hat er gewütet beim Anblick der Verschanzungen einmal über das andre: le monstreux Don Quichote." (Delbrück)

24.07.

Proklamation an die Bewohner der abgetretenen Provinzen.

31.07.

Ankunft einer Deputation aus Königsberg, die am Folgetag eine Audienz erhält.

03.08.

Geburtstag des Königs. Der Kronprinz überreicht ihm eine Zeichnung des Feldlagers bei Schwarzort und mit dem Bruder ein Wörterbuch und eine Grammatik der Litauischen Sprache. " Es war doch ein froher Tag mehr in der leidensvollen Zeit!" (Delbrück) - Die Berliner Zeitungen, die einige Tage verspätet ankommen "geben Stoff genug, sich krank zu ärgern. In Breslau hat man den Geburtstag des Königs gefeiert, in Berlin hat man es nicht gewagt; das ist doch mehr als feige", notiert die Gräfin Voss in ihrem Tagebuch.

04.08.

"Der König nimmt jetzt Seebäder. Viele Menschen reisen nach Berlin zurück. Die Goltzens gaben einen Tee für die Majestäten im Freien und dann ein Souper bei sich." (Voss)

09.08.

Der Kronprinzen wird zum zum Seconde-Leutnant durch den König ernannt.

12.08.

Dejeuner in Tauerlaken zu Ehren des Geburtstages des Prinzen Georg von Strelitz.

14.08.

Die Königin besucht auch in den Folgetagen mehrfach den Jahrmarkt. "Letztere sagte scherzend, es sei angenehm, auf die Füße getreten zu werden. Ach, werden denn Fürsten und Prinzen dies in einem andern Sinne nicht schon genug! Soll der heilige Schein, der der Majestät noch übrig geblieben ist, gänzlich dahin sinken!" (Delbrück). - Am Folgetag schreibt sie ihrem Bruder: "Und schon bin ich trostlos über die Ungeschicklichkeiten, die überall in dem Moment begangen werden, wo mit etwas Takt und weniger Starrsinn alles gewonnen werden könnte. So will sich z. B. der König bei Nacht und Nebel in Berlin einschleichen, sich nicht zeigen, weil er sich schämt, und so mit dem ersten Schritt alles wieder verderben. Dann denke Dir nur, hatte er die Idee zu abdiquieren!" (Rothkirch)

24.08.

Empfang einer Deputation : v. Pannewitz (Landrat, Krs. Nieder-Barnim), Sack, v. Ziethen (Landrat, Krs. Ruppin), Freiherr von Oelzen (Kammerherr). - Bei der Tafel sei "eine Verstimmung unverkennbar" gewesen, schreibt Delbrück. Er trifft sich mit Oelzen: "Die in Berlin gangbaren Stadtgespräche lassen keinen Zweifel übrig, dass es an Postträgern aller Art mitten aus dem Innern des Hofes [nicht] fehle. Man erzählt wahre und unwahre Äußerungen über N. und gegenteils, und überall wird sichtbar der Keim zu Zwist und Streit. Unter andern, heißt es dort, habe N. in Tilsit Befremden und Unwillen geäußert über vom Kronprinz verfertigte Karikaturen seiner Allerhöchsten Personen. Der dringende Wunsch der Landstände und der Zweck der Sendung ist, dem Könige die Versicherung der Treue zu geben, um baldige Rückkunft zu bitten, demnach um Maßregeln, die Provinzen vom Feinde zu reinigen, der übermütiger ist als im Laufe des Krieges. Die Aufnahme beim König war wieder ihre Erwartung untröstlich ausgefallen durch Ungefähr. Der König traf sie wider Erwarten in seinem Zimmer, als er eilig war. Er tadelte, statt zu loben; über den Eidschwur, den man geleistet, sprach er empfindlich, desgleichen über Misshelligkeiten zwischen den Ständen und Minister von Angern, dessen Anordnungen sie nicht hätten Folge leisten wollen. Daher die Verstimmung dieser Männer, welche hierhergekommen waren im Gefühl ihre Pflichterfüllung. Ich beruhigte ihn, so gut ich konnte. Infolge der Feier des dritten Augusts sind wirklich einige Personen gefänglich eingezogen worden. Iffland, dem man drei Anträge verworfen hatte, wurde vorgefordert, Rechenschaft zu geben, über das, was er auf dem Theater gesprochen. Schewe wurde vorgefordert, dass er im Tiergarten eine Armenspeisung veranstaltet hätte." Wenige Tage später erhält Oelzen Audienz bei der Königin: "Er hatte ihr alles, alles gesagt. Unter ihren Antworten war mir die auffallendste die, dass sie im nächsten Monate verlegen sein würde um ihre Subsistenz. (Das goldene Service ist bereits bei der Bank versetzt.) Sie hat seine Eingabe angenommen und versprochen, mit dem Könige darüber zu reden ..."  Am 31. August reisen die Deputierten der Landstände ab, "erbaut, ja begeistert über das, was und wie der König mit ihnen gesprochen hatte, so dass sie ganz befriediget von hinnen gehen." (Delbrück)

01.09.

Genehmigung der Stiftung einer Armenschule in Berlin durch Propst Hanstein und Schenkung von 100 Friedrichsdor. Empfang einer Deputation aus Breslau.

03.09.

Empfang einer Deputation aus Schlesien.

06.09.

General Scharnhorst regt eine "historische Darlegung der Schritte des Königs seit dem Ausbruche des Krieges" an. (Delbrück)

29.09.

In der Mitte des Monats hatte Delbrück geschrieben: "Zu unserer Rückkehr nach Berlin wenig Aussicht." Nun  wird überraschend über die künftige Einrichtung in Berlin vielfach gesprochen, "z. B. dass wir künftig auf dem Schloss wohnen sollen. Vertrauliche Äußerungen hierüber gegen die Prinzen … Ich verhehlte ihnen nicht, dass alles, Großes wie Kleines, was hier im Geselligen des Hofes vorginge, bis nach Berlin, und natürlich vergrößert, verbreitet würde."

30.09.

Geburtstagsfeier der Prinzessin Friederike.

01.10.

Ankunft des Ministers von Stein, Audienz beim König.

03.10.

Zurückberufung Steins. Spezialrevue, an der erstmals die drei Prinzen als Offiziere teilnahmen.

04.10.

Stein schlägt Alexander v. Humboldt als Begleiter des Prinzen Wilhelm, Bruder des Königs, auf dessen Reise nach Paris vor. Ziel ist, bei Napoleon eine Verminderung der auferlegten Zahlungsverpflichtungen zu erreichen. Luise befürchtet, "dass die Reise eigentlich nichts helfen, als dass sie viel Geld kosten" wird. (Rothkirch)

08.10.

Delbrück schreibt über die Beratungen beim König: "An den Vortragstagen beim König besteht der Staatsrat aus Stein, Golz, Lottum, Beyme und Köckritz. Ersterer erhält alle Sachen und schreibt sie zu. Gneisenau wird gewiss nächstens in die Adjutantur einrücken. … Nachher sagte mir Buch, dass der Russische Kaiser gestern einen Brief geschickt habe voll der freundschaftlichsten Zusicherungen. Er werde bis zum letzten Atemzuge nicht aufhören, dahin zu arbeiten, dass Preußen wieder zu einer gewissen Selbständigkeit komme; er habe dazu in Paris Schritte getan, deren Wirkung hoffentlich bald sichtbar werde."

09.10.

Edikt den erleichterten Besitz und freien Gebrauch des Grundeigentums sowie die persönlichen Verhältnisse der Landbewohner betreffend ("Oktober-Edikt"). Ankunft des Grafen Tolstoi aus Petersburg.

11.10.

In Memel treffen "schlechte Nachrichten aus Berlin" ein: "Die Franzosen verkaufen die ganzen Bestände der Königlichen Porzellanfabrik." (Voss)

23.10.

Über den Besuch des russischen Kammerherrn Baron von Narischkin schreibt Delbrück: "... vielleicht einer der größten Dummköpfe. Täuschung. Den Prinzen war befohlen, in Staatsuniform zu erscheinen. Wir hatten auf ausgezeichnete Gesellschaft gerechnet, und siehe da, ein Bête. Prz. Wilhelm meinte beim Zurückfahren, wahrscheinlich habe dieser Herr sehen sollen, dass auch hier die Russische Uniform bereits in Gang sei. Ob dann aber wohl, wenn z. B. Buch nach Petersburg käme, die Russischen Prinzen sich in Pracht setzen würden?"

28.10.

Aufhebung der Erbuntertänigkeit auf den preußischen Domänen.

29.10.

Zweideutige Nachrichten aus Berlin. Hoffnung, der Hof würde Weihnachten in Berlin sein.

01.11.

Der Zeitungsbericht der Immediat-Friedens-Vollziehungs-Kommission vom 1. November berichtet: "Einen allgemeinen Enthusiasmus und einen Eifer, sich gegenseitig im Ausharren und Dulden zu übertreffen, erregte das in den hiesigen Zeitungen gewesene Schreiben [vom 31.8.1807, gedruckt in der Haude- und Spenerschen Zeitung vom 29.10.1807, Nr. 130, betr. Einwilligung der Königin, das Erziehungsinstitut für arme Knaben zu Berlin "Luisenstift" zu benennen] der geliebten Königin an den Propst Hanstein, und diese Stimmung wurde noch durch verschiedene Nachrichten erhöht, die von Memel hier eingetroffen sind, von großen Aufopferungen E.K.M., alles Dinge, die die Sehnsucht nach besseren Zeiten sowie die Kraft zur Ausdauer gleich stark vermehrten. ... Dass die öffentlichen  Nachrichten noch immer nicht genau den Zustand der hiesigen Stadt schildern, sondern die glänzenden Seiten vorzugsweise hervorheben, liegt beinahe in der Natur einer solchen Beurteilung, die vom Theater, öffentlichen Vergnügungs-Orten p. auf den Zustand des Ganzen zurückschließt." im folgenden Bericht vom 7. November heißt es:  "Es scheint als wenn das Volk die ganze Französische Denkart nicht nur verabscheute, sondern dadurch immer fester an die alten Bande der Untertanenschaft hinge ... Dass die öffentliche Meinung in der Russischen Freundschaft sich nicht zu finden versteht, ist so natürlich, als sie einen Friedenszustand der Art bis jetzt nicht gekannt hat; das Volk ist äußerst unwillig über den Kaiser von Russland und seine bis jetzt nicht gehaltenen Versprechungen, und die Franzosen pflegen dabei entweder das Feuer anzuschüren oder doch listig Vergleichungen zu machen, deren Resultat denn ihrem bösen Willen entspricht. Sehr lebhaft wurde in dieser Woche von einer vorseienden Sendung des Prinzen Wilhelm K.H. nach Paris gesprochen." (Granier, Berichte aus der Franzosenzeit)

10.11.

Königin Luise schreibt an Frau von Berg: "… so kann man nicht fort von hier als Ende Januar, dann kann ich nicht mehr reisen. Alles geht, außer ich, die in diesem Sumpf bleiben muss bis nach die sechs Wochen, die im April enden." (Rothkirch) - In Memel trifft ein Verzeichnis ein, "was die Franzosen teils offiziell aus Berlin nach Paris fortgeschafft, teils einfach geraubt haben; ebenso aus den Königlichen Schlössern wie aus Potsdam; meistens Statuen, Bilder, Porzellan, Vasen. Kostbarkeiten und Kunstwerke aller Art; es ist eine unglaubliche Liste." (Voss)

18.11.

Königin Luise schreibt aus Memel ihrer Schwester Therese: "Du magst beurteilen, ob eine zehnjährige Regierung, zwei Mobilmachungen und ein unglücklicher Krieg, der seit 14 Monaten alles Einkommen aufgezehrt hat, geeignet sind, Schätze aufzuhäufen, und ob die Mittel des Königs nicht seit langem überschritten sind. … Das Land ist arm, ebenso der Adel." (Griewank) - Auch eine Immediat-Kommission beurteilt am 7. Dezember den Zustand der preußischen Finanzen, "dass alle Staatskassenbestände gänzlich aufgeräumt und alle Quellen gänzlich erschöpft sein müssen. Dies ist auch dermaßen der Fall, dass, wenn man alle Rückstände als bar und richtig einkommend annimmt, bis zum 1. Januar 1808 bei der höchsten Ausgabebeschränkung schon ein Defizit von 250.000 Rtlr. da ist, welches nur durch Zurückhaltung fälliger Zahlungen an die Untertanen gedeckt werden kann. Bei diesem durchaus treu geschilderten, aber sehr traurigen Zustand der preußischen Finanzen, worüber die Akten und Rechnungen offen vorgelegt werden können, ist es umso empfindlicher, noch für reich gehalten zu werden und Forderungen darauf gegründet zu wissen." (Reformministerium Stein, I)

17.12.

Königin Luise schreibt ihrem Bruder Georg: "... was ist das Berliner Klima im Vergleich zu Preußen! … Ich gehe nach Königsberg zu meinen Wochen in das infame Schloss, aber wenigstens sind die Räume weit und tief, und die Zugluft kann einen nicht im Bett töten wie hier in Memel, wo die Häuser aus Papier und die Fenster nur zum Spott da sind. … Wir, auch der König, haben nichts mehr … An der Tafel des Königs und in allen Verwaltungszweigen haben die schärfsten Einschränkungen stattgefunden. Alles stirbt vor Hunger und Hungersnot." (Rothkirch)

24.12.

Die Königin besucht mit den Kindern den Weihnachtsmarkt. Die Bescherung wird "für die Kinder bereitet wie in Berlin", doch fallen bei der Tafel "manche spitze Äußerungen über die Vergnügungssucht der Berliner." Man befürchtet, nicht vor Mai wieder in Berlin zu sein. (Delbrück)

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© Gaby Huch