Dr. Gaby Huch | Roedernstraße 49 b | 12623 Berlin | 0172 2736985 | gaby@huch.berlin
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1808

01.01.

Noch immer ist der Hof in Memel. Bei der Neujahrstafel herrscht  Zuversicht, dass "die Sachen eine günstige Wendung bekommen würden". (Delbrück)

03.01.

Die Königin beabsichtigt, der Kirche einen goldenen Altarkelch und 100 Tlr. zum Ankauf des neu einzuführenden Gesangbuchs zu schenken. Delbrück empfiehlt, beides zur Feier des 10. März zu tun. Die Berliner Zeitungen treffen ein mit Nachrichten über die Konstitution des Königreichs Westphalen.

07.01.

Minister von Stein bei der königlichen Tafel anwesend; lange Unterredung der Königin mit Stein.

09.01.

Delbrück liest "Küsters, des Inspektors zu Berlin, Prophetischen Zuruf" vor. Der König habe sich dazu "nicht billigend" geäußert.

11.01.

Trotz Schnee und Hagel fahren die Majestäten, Delbrück und die Prinzen, Prinzessin Charlotte und Begleitung nach Nimmersatt und Polangen: "… schon mit Ungeduld wurden wir erwartet. Der Wagen bereits vor der Tür. Hufeland wie versteinert, Köckritz wie angedonnert, die Voss, wie man sagt, in Tränen, ich selbst voll Unruhe, wenn es übel abliefe." (Delbrück) - Die  Immediat-Friedens-Vollziehungs-Kommission berichtet am selben Tag über die Freude in Berlin über die bevorstehende Übersiedlung des Hofes von Memel nach Königsberg, aber auch über das Elend des ärmeren Volkes, das immer mehr die alte preußische Verwaltung vor der französischen schätzen würde. (Granier, Berichte aus der Franzosenzeit)

12.01.

Ball der Kaufmannschaft für die Kammerfrauen im "Schwarzen Adler", an dem unerwartet die Majestäten teilnehmen.

13.01.

Anlässlich des Russischen Neujahrsfestes Gesang der Kosaken, die "aus einem Umkreise von 20 Meilen zusammengeladen waren". Delbrück spricht mit dem König über die deutsche Nation, "und dass religiöse Gefühle und Gesinnungen allein derselben wieder aufhelfen könnten. Um die letzten Stunden des hiesigen Aufenthaltes eindringlich zu machen, begann ich vorzulesen Seylers Geschichte Friedrich Wilhelms des Großen. Sie versetzte auch mich in feierliche Stimmung."

14.01.

Letzter Ausflug nach Tauerlaken und Abschied von den Repräsentanten der Bürgerschaft: Argelander, Consentius, Ruppel, Simon Sen., Superintendent Sprengel, Tarrach sowie von den Stabsoffiziere der Garnison.

15.01.

Abreise über Rositten nach Königsberg, Ankunft am 16. Januar. Am Folgetag werden die Majestäten durch eine Deputation der Stadt begrüßt. Großes Zivil- und Militär-Diner. Delbrück trifft mit den Prinzen im Schloss ein:" Besuch bei den Majestäten. Wir fanden sie im Zimmer der Prinzessin Charlotte. Wir folgten ihnen in die Kammern der Königin. Erfreulicher Eindruck dieser fürstlichen Umgebungen. Rund umher Gemälde aus dem Schlosse Berlins, andere Berlinica und an der Mitte der Wand ein Ruhebette, mit grünem Samt beschlagen, welches die Bürgerschaft der Königin geschenkt hatte, nebst einem Gedichte, aus dessen Inhalte Stägemann zu mir sprach."

18.01.

Der Jahrestag der Krönung wird durch die Universität festlich begangen. Der Kronprinzen wird zum "Rector magnificentissimus" der Universität gewählt. - Die Immediat-Friedens-Vollziehungs-Kommission berichtet am selben Tag: "Der Sinn des Volkes bleibt unverändert brav und treu. Unsere Angelegenheiten, Bitten und Wünsche für ihren guten Fortgang und den Erfolg der Sendung des Prinzen Wilhelm K. H. machten die Hauptberührungspunkte der Stimmung des Volks, die heiligsten Empfindungen der einzelnen Familien aus, die den Namen und das Glück, Brandenburgisch zu sein, für ein ihnen unentreißbares Gut betrachten. ... Der Verfasser des Leviathan [Friedrich Buchholz] hat jetzt ein Gemälde der geselligen Kultur im Königreich Preußen wieder herausgegeben und dadurch seine Fruchtbarkeit hinlänglich dargetan. Viel Räsonnement, große Paradoxen, Wahres und Falsches alles durcheinander und dazu sehr preciöse gesetzt, so dass es gewiss manchen blendet und falsche Gesichtspunkte unterlegt. Die mit Würde und wissenschaftlicher Gründlichkeit begonnene Zeitschrift Teutona wird nächstens das Publikum darüber belehren und vor falschen Urteilen zu bewahren suchen. Gespannt erwartet man, ob Berlin noch Sitz einer großen Lehranstalt wird. ... Fichte und der geistreiche Schleiermacher genießen des größten Beifalls; Wolff hat seine Vorlesungen nicht zustande gebracht und ist nach Mecklenburg gereist." (Granier, Berichte aus der Franzosenzeit)

20.01.

Ankunft der Prinzessin Wilhelm und Wittgensteins in Königsberg.

21.01.

Einmarsch des Garde-Bataillons.

26.01.

Zur Tafel u. a. Graf Kalnein."Der alte Graf sprach  sehr verständig, gedenkend insonderheit der geselligen Tugend des großen Kant, unzufrieden mit Süvern, der sich die Damen verbeten hat bei dem nächste Woche zu beginnenden Vortrag über Geschichte." - Kaufmann Glagow  aus Königsberg bittet Delbrück, beim Könige anzufragen, ob er genehmige, dass zur Einweihung des Komödienhauses Iffland nebst Madame Unzelmann  kämen, um die Königin zu überraschen, was positiv beantwortet wird.

27.01.

"Picknick-Ball" in der Stadt [im Deutschen Haus], an dem der König teilnimmt.

30.01.

Ball der Studenten im Junkerhof, an dem König und  Kronprinz teilnehmen.

31.01.

Besuch der Reformierten Kirche.

01.02.

Geburt der Prinzessin Luise (spätere Gemahlin des Prinzen Friedrich der Niederlande; † 28.2.1870). Zu ihrer Taufe wurden als Paten die ostpreußischen Stände bestellt.

02.02.

Prinzessin Wilhelm klagt in ihren Briefen: "… ach! hier in diesem Kotland ist an keine Promenade zu denken in dieser Jahreszeit; sonst muss die Gegend um Königsberg hübsch sein. Bei Memel war das besser, der ewige Kies am Meere ist vortrefflich zu Fußpromenaden. Man geht dann ganz nah, so dass man den Wellen ausweichen muss, denn weiter davon ist der ungeheure Sand. Ich lobe mir unser Rheinland, das göttliche!" Man könne nur abzuwarten und Resignation lernen. "Ach, es geht uns recht übel - Ihr könnt in der Ferne das Elend in seinem grässlichen Umfang nicht so beurteilen, wie wir es hier empfinden!"

08.02.

Jeder Soldaten, der bei Pr. Eylau verwundet worden oder die Ehren-Medaille erhalten hat, erhält 2 Tlr., jeder Unteroffizier 3, jeder Feldwebel 4 Tlr. Große Tafel für alle Stabsoffiziere, die bei Eylau waren. Nach der  Tafel sprach habe der König "über die notwendigen Änderungen bei der Kriegsführung" gesprochen, "mit der gewöhnlichen Bitterkeit gegen die Einheimischen und Hinneigung zum Ausländischen. Einige Männer antworteten wacker und dreist." (Delbrück)

09.02.

Der Zeitungsbericht der Immediat-Friedens-Vollziehungs-Kommission lobt die treue Gesinnung der Berliner, trotz aller Schmähschriften, berichtet über Fichtes Reden an die deutsche Nation und die Notwendigkeit eines "Amtsblattes".

12.02.

An der Kant-Gedächtnisfeier im akademischen Hörsaal nimmt der Kronprinz teil.

14.02.

Die Dankgebete in Berlin anlässlich der Niederkunft der Königin verbinden sich mit dem Wunsch nach der Rückkehr des Hofes.

18.02.

Bei der königlichen Tafel ist der Abt von Oliva mit seinem Bruder, dem Prinzen von Hohenzollern.

21.02.

Der Kronprinz erhält die Matrikel und das Album Academicum der Königsberger Universität.

23.02.

Geburtstag der Prinzessin Alexandrine.

24.02.

Ball im Deutschen Haus.

27.02.

Gräfin Vos ist empört, dass der König nicht wünscht, dass Schleppen bei der Taufe der Prinzessin am Folgetag getragen werden.

28.02.

Taufe der Prinzessin Luise, bei der die Stände der Provinz Ostpreußen  die alleinigen Taufzeugen waren. Am Diner nehmen die Generäle, Minister und Deputationen der Stände und der Bürgerschaft, welche auch mit Pate standen, ebenso wie Dohna-Schlobitten und Korff für den Adel teil. "Der Geheimrat Buchholtz, Frei, Greim, Krause, alle aßen mit an dem ersten Tische. …Wir waren in runden Kleidern und Tunikas - zu meinem Bedauern." (Voss)

06.03.

Besuch der Französischen Kirche. Proklamation des Kronprinzen zum Rector magnificentissimus im Akademischen Hörsaal; an der Tafel nehmen die Professoren aller Fakultäten nebst Kanzler von Schroetter, Auerswald, Scheffner, Nicolovius, Borowsky, Hufeland teil.  - Der Zeitungsbericht der Immediat-Friedens-Vollziehungs-Kommission vom 6. März berichtet, die Sehnsucht nach der Rückkehr des Königs gewinne ein religiöses Ansehen. (Granier, Berichte aus der Franzosenzeit)

09.03.

Am Vorabend des Geburtstags der Königin wird ein Konzert gegeben dessen Ertrag zur Unterstützung  Notleidender in Berlin bestimmt ist. Am Tag selbst erscheint eine Deputationen der Bürgerschaft zur Gratulation im  Schloss. In Berlin wird trotz der Anwesenheit der französischen Behörden ebenfalls ein Konzert zum Besten der Waisen gegeben. Ifflands hält eine Rede im neueröffneten Theater, die im zwei Tage Hausarrest einbringt. Auch kritische Stimmen gibt es: "Morgen wird hier ein großes Konzert zu einem wohltätigen Zweck gegeben. … den 18. wird das neue Theater eröffnet und den 20. ist die Stadt erleuchtet. Ich wollte, dass die Menschen etwas anderes täten, als Fêten geben vorzüglich bei der großen Teuerung." (Beguelin)

10.03.

Geburtstag der Königin und Dejeuner dinatoire.  - "Das Militär wird sehr reduziert. ... Auch viele Offiziere nehmen vorläufig ihren Abschied. Es geschieht gewiss alles Mögliche. Der König beschränkt sich außerordentlich und geht mit dem Beispiel strenger Ökonomie voran." (Beguelin)

11.03.

Studentenball zu Ehren des Kronprinzen.

13.03.

Der Zeitungsbericht der Immediat-Friedens-Vollziehungs-Kommission berichtet über Sittenlosigkeit infolge der langen Einquartierung ("französische Leichtfertigkeit und modische Irreligiosität") anlässlich der Geburtstagsfeier der Königin.

18.03.

Aus Berlin trifft eine Kiste mit Büchern Delbrücks ein. Ball bei Wilhelm Radziwill anlässlich dessen Geburtstages.

21.03.

Geburtstag des Prinzen Wilhelm.

27.03.

Der Zeitungsbericht der Immediat-Friedens-Vollziehungs-Kommission berichtet über die Unterstützung der Königsberger für Berlin und die Lage in Schlesien.

31.03.

Königin Luise schreibt an den Vater: "Die göttliche Vorsehung leitet unverkennbar neue Weltzustände ein, und es soll eine neue Ordnung der Dinge werden, da die alte sich überlebt hat und in sich selbst als abgestorben zusammenstürzt. Wir sind eingeschlafen auf den Lorbeeren Friedrichs des Großen, welcher, der Herr seines Jahrhunderts, eine neue Zeit schuf. Wir sind mit derselben nicht fortgeschritten, deshalb überflügelt sie uns. Das sieht niemand klarer ein als der König. Noch eben hatte ich mit ihm eine lange Unterredung, und er sagte in sich gekehrt wiederholentlich: dass muss auch bei uns anders werden." (Rothkirch)

 

"Von heute hört der Tisch der Offiziere bei uns auf … Leider werden von Tag zu Tag mehr Einschränkungen im Königlichen Haushalte notwendig …" (Voss) - "Mancherlei Aprilscherz. Nachher gestattete selbst der König, dass man auch ihn überrasche." (Delbrück)

09.04.

Die Königin besucht die Weihe der Löbenichtkirche, die zum Lazarett gedient hatte.

14.04.

Karfreitag-Gottesdienst. Konzert, Passion "Der Tod Jesu" von Graun.

16.04.

Ostergottesdienst im Dom.

17.04.

Besuch der Reformierten Kirche. Auf dem Schlosshof findet eine Art Spezial-Revue der Garnison zu Ehren des Prinzen August statt. Nachrichten aus Berlin sind "höchst unerfreulich", so dass an eine Rückkehr nicht zu denken ist, "ja, fast möchte man glauben, sie werde nie wieder stattfinden". (Delbrück)

18.04.

Immediatbericht des Geheimen Oberfinanzrats Freiherrn von Altenstein, Königsberg, 18.5.1808: Bewertung der Verhältnisses des Staats im Ganzen, Kritik am Bricht der Kombinierten Immediatkommission über den Kassenzustand und deren Vorschläge zum Finanzplan: "Bei dem von E.K.M. bereits so sehr reduzierten Hofstaat lässt sich schon im Voraus ermessen, dass beinahe die ganze durch Ersparnisse bei Allerhöchstdero Hofstaat und dem Militär aufzubringende Summe von 85.698 Rtlr. das letztere betrifft. ... Es wird darauf ankommen, ob E.K.M. a) eine Veränderung bei Allerhöchstdero Hofstaat für erforderlich halten und welche Verfügungen zu deren Einleitung Allerhöchstdieselben zu treffen geruhen wollen. Wenn solche bloß eine Verbesserung des Zustandes durch Wegschaffung des Lästigen und Überflüssigen, Aufrechterhaltung der möglichsten Ordnung und Anordnung des Zweckmäßigen zu Gegenstand hat und nicht bloß von der drückenden Notwendigkeit, Beschränkungen zur Erzielung von Ersparnissen zu bewirken, geleitet wird, so kann sie E.K.M. Gefühl nicht schmerzlich verwunden und keinen üblen Eindruck bei dem einzelnen und dem Ganzen veranlassen, der außerdem unausbleiblich zu befürchten sein würde." (Reformministerium Stein, II)

22.04.

Mittagsmahl als Vorfeier der Fahnenweihe an 2 Tafeln für 56 Gäste. Nach einem Toast auf das Wohl des Bataillons und einem dreimaligen Vivat wird God save the king gespielt. Anschließend werden die Nägel der Fahnen eingeschlagen.

23.04.

Fahnenweihe.

30.04.

Besuch der reformierten Kirche.

07.05.

Hoftrauer wg. des Todes des Königs von Dänemark, Christian VII. († 13.3.1808).

10.05.

Gottesdienst in der Altstädtischen Kirche.

11.05.

Besuch des neuen Schauspielhauses.

12.05.

Ausflug nach Aweiden (Rittergut im Landkrs. Königsberg).

13.05.

Besuch des Dönhoffschen Gartens.

30.05.

Ausflug nach Arnau (Rittergut der Gräfin v. Wallenrodt).

01.06.

Ausflug nach Neuhausen (Rittergut der Grafen v. Massow).

03.06.

Ausflug nach Friedrichsstein (Rittergut der Grafen v. Dönhoff).

04.06.

Gottesdienst in der Altstädtischen Kirche.

06.06.

Bezug eines Gartenhauses vor dem Steindammer Tor,  in den ländlichen 'Huben', zuvor im Besitz des Königsberger Stadtpräsidenten Theodor v. Hippel.

18.06.

Parade. Der Großfürst von Russland erhält den Schwarzen Adler-Orden.

26.06.

Königsschießen der Löbenichter Bürgerschaft, zu dem die Prinzen eingeladen sind.

30.06.

Brand des neuen Schauspielhauses.

12.07.

Geburtstag der Prinzessin Charlotte.

31.07.

Besuch des Prinzen August aus Berlin und des Herzog von Württemberg.

02.08.

Geburtstag des Königs, der einen Erntedankkranz von den Einwohnern der Huben als Geschenk erhält. Im Dorf sind Ehrenpforten aus Tannenzweigen errichtet. Volksfest, Beleuchtung der öffentlichen Gärten, Wasserfahrt auf illuminierten Booten, von Musik begleitet, Feuerwerk im Garten der Freimaurerloge.

19.08.

Luise schreibt an Frau v. Berg über ein Abendessen auf einer Barke im Schlossteich. "Jeder muss ein Gericht mitbringen. Der König und ich, Prinzessin Luise und ihr Mann bringen Essen hin, Prinzessin Wilhelm den nötigen Wein, und die Gäste sind die Teilnehmer des vorgestrigen Tees bei Marianne, wo dieser herrliche Gedanke uns durch einen Abend kam, der Roms und Neapels würdig gewesen wäre, nämlich Krusemarck, Gneisenau, Prinz Hohenzollern und Natzmer." (Rothkirch)

23.08.

"Der Hof ist fast beständig auf seinem kleinen Landsitze, den Hufen, welcher ziemlich nahe vor der Stadt ist. Zu den Vorträgen kommt der König herein, sonst ist er aber mittags und abends draußen. Vor einigen Tagen hatte der Hof eine Kollation in Friedrichstein angenommen und ist ganz entzückt von dort zurückgekommen."  (Schwerin)

Sommer

"Das Königspaar und die Kinder verkehrten gern bei der Familie von Auerswald, die neben ihnen im Schloss wohnte, aber auch mit Bürgern. Sie besuchten den Kommerzienrat Christoph Richter, den Weinhändler, auf seinem Gut Luisenthal bei Juditten, ließen sich von dem Professor Karl Gottfried Hagen in der Hofapotheke Experimentalvorträge über Elektrizität halten, fanden geistige Anregung bei dem Causeur Scheffner, der der Königin aus der neuesten Literatur vorlas, und geistlichen Trost bei dem Pfarrer Ludwig Ernst Borowski, an dessen Gottesdiensten in der Neuroßgärtner Kirche sie oft teilnahmen." (Gause, II)

27.08.

Ernennung des ersten Infanterie-Regiments der Kolberger Garnison, zum "Leib-Infanterie-Regiment", des Grenadier-Bataillons von Waldenfels zum "Leib-Grenadier-Bataillon.

02.09.

Fest des Ministers v. Golz.

03.09.

Schleiermacher predigt in der Schlosskirche.

08.09.

Diner zu Ehren des Ministers Graf v. Romanzow.

14.09.

Manöverübung der Garde.

15.09.

Luise schreibt an Frau v. Berg: "Der Großfürst wird heute Abend hier erwartet, der Kaiser Sonntagabend oder Montag früh. Wenn Sie wüssten, was für einen Tratsch das macht, würden Sie glauben, wir seien die personifizierte Kleinstadt geworden. Und dieser Garten, den der Rex im letzten Augenblick nicht verlassen will, die doppelte Wirtschaft dadurch … kurz, ich bin 'wütig'." (Griewank) - Parade in Anwesenheit des Großfürsten - Zar Alexander besuchte den König am 16.9. auf der Hinreise zum und am 20.10. auf der Rückreise vom Erfurter Kongress.

16.09.

Ankunft Kaiser Alexanders I. Er wird in Rositten durch Graf v. Dohna im Namen der Stände begrüßt.

17.09.

Parade

18.09.

Parade. Es verbreitet sich das "Gerücht von einer Reise nach Memel, die beide Majestäten machen wollen". (Delbrück)

19.09.

Großes Diner mit mehr als 80 Gedecken. Abreise des Kaisers nach Erfurt zum Kongress über Weimar, dort Besuch der Schwester Maria Pawlowna.

21.09.

In der Nacht zum 22. reisen König und Königin für einige Tage nach Memel (Rückkehr am 24. September).

27.09. bis 14.10.

Fürstentag zu Erfurt

01.10.

Besuch der Altstädter Kirche.

07.10.

Tod der Prinzessin Heinrich in Berlin.

09.10.

An der großen Tafel aus Anlass des Geburtstages des Herzogs von Strelitz fehlen beide Majestäten, de erkrankt sind.

13.10.

Französisch-russischer Allianzvertrag.

14.10.

Geburtstag des Kronprinzen. Beisetzung der Prinzessin Heinrich im Dom.

16.10.

Eintreffen des Prinzen Wilhelm in Berlin.

18.10.

Ankunft des Großfürsten Konstantin und Weiterreise am folgenden Tag.

19.10.

Dejeuner zu Ehren des Großfürsten. Ankunft Alexanders I. und Weiterreise am 22.10.

20.10.

Parade

21.10.

Manöver

22.10.

Parade und Militär-Diner. Ball der Stadt zu Ehren des Kaisers im Deutschen Haus. Ankunft des Prinzen Wilhelm.

23.10.

Abreise des Kaisers nach St. Petersburg.

24.10.

"Bei Hofe fanden wir im Teezirkel noch die Königin, Ihn, Frau v. Berg und Herrn v. Massow. Es war allgemein die Rede von der Rückkehr nach Berlin. Wie es gehalten werden solle, wie es am schönsten sein möchte. Ich meinte, der König und die Prinzen zu Pferde, die Königin mit allen Kindern im offenen Wagen, und gleich nach dem Einzug Gottesdienst." (Delbrück)

31.10.

Ankunft des Prinzen Carl von Strelitz.

10.11.

Empfang Hardenbergs.

11.11.

Truppenvorbeimarsch am Schloss.  - "Bei Tafel. Eine Verstimmung war bewirkt durch den angekommenen Courier. Die Franzosen werden erst den 5. Dezbr. geräumt haben. So wird wohl Ostern ins Land kommen." (Delbrück)

14.11.

"Die Gräfin Voss war in ungemeiner Gemütsbewegung, weil der Hof beschlossen hatte, einem Konzerte beizuwohnen, welches ein La Font aus der Kapelle der Kaiserin Josephine gab. Man hatte ihm durch sie abschlagen lassen, privatim bei Hofe zu spielen. Daraus hatte sie gefolgert, man könne nicht mit Anstand öffentlich auf seinem Konzerte erscheinen, und war untröstlich; sie sprach vom Niederlegen ihres hohen Amtes u.s.w." (Delbrück)

19.11.

Die Städteordnung tritt in Kraft.

24.11.

Entlassung Steins.

29.11.

Geburtstagsfeier des Prinzen Carl von Strelitz.

02.12.

Besuch der Majestäten und der Prinzessin Wilhelm auf dem Ball der Kaufmannschaft im Altstädtischen Junkerhof.

05.12.

Abzug der russischen  Truppen aus Berlin, Übergabe des Stadtschlüssels an Prinz Ferdinand. -"Umsonst hatte man sich in Berlin seit dem Einmarsch unserer Truppen nach der Rückkehr des Hofes gesehnt. Schon waren alle Empfangsfeierlichkeiten getroffen, eine große Kantate war im Dom mit dem Te Deum eingeübt, als die Reise der königlichen Familie nach Petersburg diese Hoffnungen zerstörte." (Schwerin)

06.12.

Konzert Rombergs im Kneiphöfischen Junkerhof.

07.12.

"Nach der Tafel erfuhr ich eine Neuigkeit, die mich mit Staunen erfüllte. Der König hat beschlossen, dem Kaiser von Russland einen Besuch in Petersburg zu machen, bevor er nach Berlin zurückkehrt. Ist es möglich! Es wird ein Donnerschlag für sein Land sein, wird bei Frankreich neue Besorgnisse neuer geheimer Verhandlungen erregen, wird eine große Summe kosten. Alexander wird von unserer Nation wie ein treuloser Freund betrachtet. Und das Reich zu verlassen zu einer Zeit, wo eine neue Verfassung im Werden und vielleicht manche unreife Idee in Gärung ist. Wie vielfacher Nachteil kann entstehen! Und auf welchen Vorteil ist zu rechnen? Die Großen des Reichs zu gewinnen? Preußen ist zu arm und zu gedemütigt, als dass es die Habsucht und die Eitelkeit deren Magnaten befriedigen könnte! Viele der Anwesenden waren meiner Meinung." -  Auch Auerswald sei "aus allen Gründen dagegen, namentlich widersprach er auch dem, was ich heute bei Tafel gehört, dass Minister von Stein für die Reise gewesen sei. Wir wechselten unser Urteil über Stein aus und kamen darin überein, dass er, zu empfänglich für Eindrücke der Gegenwart, mit unmännlichem Sinn von Meinung zu Meinung schwankte." (Delbrück)

10.12.

"Da die Räumung der westlichen Hälfte der Monarchie durch die Franzosen die Rückkehr der Regierung nach Berlin gestattete, so befragte der König Stein sowohl über die Ratsamkeit dieses Schrittes als über den Zeitpunkt für die Reise nach Petersburg. Stein sprach sich in einem Berichte vom 22. November dahin aus, dass die Petersburger Reise auszusetzen sei, und der König sich bei einer Reise nach Berlin die Sicherung seiner Freiheit insbesondere für unvorhergesehene Ereignisse angelegen sein lassen, und sich daher mit einem völlig zuverlässigen Hofe umgeben müsse. ' Die Rückkehr des Königs nach Berlin wird in die Seele seiner zwischen Weichsel und der Elbe wohnenden Untertanen nach langem Leiden wieder Ruhe und Zufriedenheit bringen, sie wird das innere Vertrauen befestigen, sie wird auch dem Fremdem mehr Zutrauen auf die Dauer der Regierung einflößen und die Wiederherstellung der Behörden und des Geschäftsganges erleichtern.' " (Delbrück)

14.12.

"Lektionen. Geographie. Das Topographische von Wolchonsky-Land angefangen. Viel über Moskau und Petersburg mit Beziehung auf die Reise der Majestäten. … Wir alle waren voll von den Gefühlen, welche die Berichte aus Berlin über den Einmarsch des Schillschen Corps in uns rege gemacht hatten- ... Der Kronprinz meinte, wenn der Papa dies läse, würde er nicht nach Petersburg reisen. ... Bei Hofe fanden wir alles in Bewegung sehr verschiedener Art. Ein Courier aus Petersburg hatte eine Einladung des Kaisers überbracht, und die Reise war nun unwiderruflich beschlossen." (Delbrück)

15.12.

"Um 7 Uhr kam, unerwartet, Präsident von Vincke ... Wir verbargen uns von keiner Seite die Gefahr, worin der Staat schwebt. Unter den ersten Staatsdienern keine Eintracht. Beginnende Durchlöcherung der bereits abgeschlossenen und genehmigten Regierungsform. Zwietracht unter den Ständen, Unzufriedenheit namentlich mit den erwählten Ober-Präsidenten. Im Schatze kein Geld. Jeder Monat eine Million Kontribution, und die Reise ins Ausland!" (Delbrück)

16.12.

Publikandum über die veränderte Verfassung der oberen Staatsbehörden der preußischen Monarchie in Beziehung auf die innere Landes- und Staatsverwaltung. - Der König an den Berliner Magistrat: "Ich eile und hoffe in wenige Wochen meine Provinzen jenseits der Weichsel wiederzusehen, welchen ich so manche Beweise musterhafter Treue verdanke, und werde besonders meine Rückkehr nach Berlin beschleunigen, um meinen dortigen treuen Untertanen meine Dankbarkeit für ihr standhaftes und gutes Betragen, meine Liebe und mein Wohlwollen zu bestätigen." (Klöden). Ball der Offiziere.

19.12.

"Man hatte die sämtlichen Offiziere [zur Tafel] geladen, und sie kamen natürlicherweise sehr spät. Der ganze Hof, beordert um halb 3 Uhr, wartete anderthalb Stunden. Es ist kein Unterschied mehr zwischen dem Kaiser und den Subalternen. Alle Arten der Gunstbezeugungen sinken im Preise, und man wundert sich über die Abnahme der moralischen Kraft." (Delbrück)

23.12.

"Der König rief mich über die Seite und vertraute mir einen Aufsatz, von ihm selbst geschrieben, welcher 8 Tage vor dem Einmarsche der Garden in Berlin in einer der Berliner Zeitungen abgedruckt werden soll. Er bevollmächtigte mich zu Änderungen und Anmerkungen." (Delbrück)

24.12.

"Der König saß noch unter den Damen und las eben die letzten Blätter des Storchschen Werkes über Petersburg, wo der Verfasser die Deutschen mit Bitterkeit tadelt. Ich verteidigte so viel und so gut ich konnte, aber es half nicht viel. Er lenkte ein wenigstens dadurch, dass er mir auf freundliche Weise die Pelze wies, welche der Kaiser in Menge aus Petersburg geschickt hat, zu waffnen gegen die heftige Kälte." (Delbrück)

25.12.

Lotterie und Auktion beim Prinzen Radziwill.

27. bis 31.12.

Abreise von Königsberg nach St. Petersburg auf Einladung des russischen Kaisers zur Verlobungsfeier der Großfürstin Katharina Pawlowna mit dem Prinzen Georg von Holstein-Oldenburg . Die erste Etappe führt über Rositten, Sandkrug und mit dem Schlitten über das Eis nach Memel, wo nach der Begrüßung durch die Deputierten der kurländischen Stände ein Abendessen mit den wichtigsten Persönlichkeiten Memels stattfindet. Quartier wird bei Frau Consentius bezogen. Am Folgetag geht es über Polangen, Rutzau nach Oberbartau, wo sie von "Bauern und Bäuerinnen in festlichen Kleidern, zu Pferde mit Frucht- und Blumenkörben" empfangen werden, deren "Tracht mit der litauischen (Ähnlichkeit)" hat. (GStA PK, BPH, Rep. 49 C I 9) Am 29. Dezember wird die Reise über Schrunden nach Frauenburg fortgesetzt, hier wird Quartier bei Fam. v. Offenburg bezogen. In Schrunden werden die Majestäten an einem Triumphbogen durch eine Deputation des kurländischen Adels empfangen, die die Einladung zu einem Ball in Mitau übergibt, der bis zur Rückreise ausgesetzt wird. Am 30. Dezember beginnt die Weiterreise über Mitau nach Riga, dass am Folgetag erreicht wird. In Mitau werden die Majestäten durch eine Bürgerwache zu Pferd und die Behörden "in Strümpfen und Schuhen zu Fuß in drei Fuß hohem Schnee" begrüßt. Im Schloss werden sie von Ständen, Zivil und Militär empfangen. Auch in Riga empfängt sie eine berittene Bürgergarde. Nach der Ansprache des Magistrats findet eine Parade an der Düna statt, der Abend endet mit einer Illumination mit Fackeln, einem Diner im Schloss und einem Ball im Schauspielhaus.

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