Dr. Gaby Huch | Roedernstraße 49 b | 12623 Berlin | 0172 2736985 | gaby@huch.berlin
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1809

01.01.

Fortsetzung der Reise nach St. Petersburg. Bis zur Grenze wird das Königspaar durch den Vizegouverneur von Estland, Georg von Grothenheim begleitet. Nachtquartier wird in Wolmarshof genommen, wo auch die livländischen Deputierten empfangen werden. Das Journal des Luxus und der Moden 1809 berichtet ausführlich über die Ankunft Friedrich Wilhelms III. und der Königin Luise in St. Petersburg und schildert den dortigen Aufenthalt.

02.01.

Dorpat wird erreicht, man nimmt Quartier im Haus des Grafen von Löwenstern. Cour von Zivil- und Militärbehörden sowie der Professoren der Universität Dorpat. Am Abend ist die Stadt illuminiert.

 

Oberpräsidenten Sack schreibt in seinem Immediat-Zeitungs-Bericht  vom 2.1.1809, die Nachricht von der Petersburger Reise habe die Untertanen sehr unerwartet getroffen, "umso mehr, als das hiesige Publikum, durch die Ereignisse vergangener Zeit mehr als je den Eindrücken der bangen Furcht preisgegeben, sich durch mannichfaltige Besorgnis irre leitete, bis E.K.M. der hiesigen Bürgerschaft durch die derselben erteilte Benachrichtigung diese und ähnliche Zweifel benehmend, dadurch den besten Beweis Allerhöchstdero Gnade und Huld zu erteilen geruhten. Wo ängstliche Zweifel vorher waren, trat allgemein die zärtlichste Besorgnis ein. Die Länge des Weges, die raue Jahreszeit und die mannichfachen Beschwerden einer so weiten Reise konnten diese nur vermehren und die Gebete und Wünsche erhöhen, welche für E.K.M. und die über alles geliebte Königin mehr als je dem Allmächtigen zuflogen, auf dass er Allerhöchstdero Person schützen und vor jedem Unfall bewahrt bald in erwünschtestem Wohlsein den treuen Berlinern zuführen möge, die so zärtlich gegen E.K.M. gesinnt sind, dass sie, wie einst Ramler von ihnen vor dreiundfünfzig Jahren schrieb, ihren König bei seiner Wiederkunft gern über ihre untergelegten Hände in sein Schloss möchten gehen lassen. Und nichts haben sie den Einwohnern Russlands jetzt beneidet als das Glück, in dessen Hoffnung sie Mut und Trost so lange fanden. (Granier, Berichte aus der Franzosenzeit)

03.01.

Ankunft in Klein Pungern, Unterkunft im Posthaus. Die estländischen Deputierten werden empfangen.

04.01.

Seit der estländischen Grenze werden die Majestäten durch den Abgeordneten der Stände, Herrn von Rosenbaum, begleitet. Narva wird erreicht und im dortigen Posthaus genächtigt. Cour für  Militär- und Zivilbehörden und den Magistrat. General Tauenzien geht zum Anmelden der Majestäten nach Petersburg voraus. Die Königin schriebt in ihr Tagebuch: "Die schönen guten Pelze des Kaisers tun uns sehr wohl. Seine Aufmerksamkeiten übersteigen alles Ausdrückbare ... jeden Abend Petersburger Bier für den König und mich ... Kurz, nichts ist vergessen." (Rothkirch)

05.01.

Ankunft in Opole. Hier werden sie durch die Geistlichen mit Gesang empfangen und die Königin ist erstaunt über den "Anblick vieler Landleute mit festlichen Kleidern, da gerade Weihnachten, die zu Fuß und zu Schlitten die Kirche zu besuchen". (Tagebuch) Für den kommenden Tag wird die Ankunft in Strelna durch den preußischen Gesandten, Baron Schladen dem russischen Kaiser gemeldet.

06.01.

Mit einer "Eskorte der Ulanen" werden die Majestäten nach Strelna begleitet. Hier werden sie durch den Kaiser und den Großfürsten Konstantin empfangen. Vor dem Schloss zieht eine Ehrenwache auf.

07.01.

Die Equipage der Majestäten wird von Ulanen bis zur Stadtgrenze von St. Petersburg eskortiert. Hier werden sie am Stadttor durch den Kaiser und sein Gefolge empfangen. Der Einzug erfolgt zu Pferde in Begleitung des Kaisers, die Königin fährt im Galawagen. "Sowie die Pferde bestiegen wurden, begann der Kanonendonner und dauerte fort, bis die hohen Herrschaften im Winterpalais abgestiegen waren." (Klöden) Nach den Empfangsfeierlichkeiten am Schloss und dem Vorbeimarch der Truppen besucht man die Oper ("Der Kalif von Bagdad") und ein Ballett in der Eremitage. Am Abend ist St. Petersburg illuminiert.

08.01.

Nach einer Parade finden Visiten bei den Kaiserinnen statt. Nach einem Gala-Diner beim Kaiser wird das Schauspiel ("Cinna", Tragödie von Corneilles) besucht.

09.01.

Nach der Parade findet die Begrüßungs-Cour für Militär- und  Zivilbehörden, den Hof und die Damen der Stadt statt, die zwei Stunden dauert. Den Tag beschließt ein Hofkonzert.

10.01.

Parade und Visiten. Spazierfahrt durch die Stadt und Oper in der Eremitage ("Une heure de mariage", d'Alayrac). "Die Pracht aller Art übersteigt alle Vorstellung ... Und alle Größenverhältnisse dem Kaiserreich entsprechend, das heißt kolossal, enorme!!!" (Luises Tagebuch)

11.01.

Parade und Visiten. Besuch des Militärhospitals. Souper in der Galerie des Schlosses und Ball beim Kaiser.

12.01.

Besuch der Festungskirche. Ankunft des Archimandrils und der Mönche des Newsky-Klosters. Die Stadt sei "so ungeheuer, so schön, die Gebäude in einem so großen Stil, die Kanäle so ungeheuer, dass niemand eine Vorstellung davon geben kann, denn diese Stadt gleicht keiner anderen." (Luises Tagebuch)

13.01.

Russische Neujahrs-Visiten. In der Schlosskirche findet die Verlobungszeremonie der Großfürstin Katharina mit dem Prinzen von Holstein-Oldenburg statt. Der Tag endet mit einem  Ball im St. Georgsaal. "Diamanten regnet es weiter überall", schreibt Luise in ihrem Tagebuch. Am Abend sind die Festungen der Stadt und die Vorstädte illuminiert.

14.01.

Parade und Visiten. Am Abend Oper in der Eremitage ("Telemach").

15.01.

Nach einer Schlittenfahrt mit dem Kaiser Besuch der Chevalier-Garde.  Zum abendlichen Ball im Weißen Saal trägt die Königin ein "diamantgesticktes Ballkleid". (Rothkirch)

16.01.

Revue der reitenden Garde auf dem Marsfeld. Am Abend wird erneut das Theater der Eremitage besucht, gemeinsam mit dem Außenminister, Graf Romanzow, dem Oberhof- und Oberzeremonienmeister und dem Gouverneur von St. Petersburg. Aufgeführt wird das Drama "Semiramis" (Voltaire). Königin Luise schreibt dem Kronprinzen: "Papa und ich sind wohl und mit Liebe und Freundschaft überhäuft."

17.01.

Nach dem Gottesdienst werden die Artillerie-Werkstätten und das Zeughaus mit dem Kaiser besucht.

 

In seinem Immediat-Zeitungs-Bericht  vom 17.1.1809 äußert Oberpräsident Sack seine "Überzeugung, dass Allerhöchstdieselben die Liebe und Anhänglichkeit Höchstdero getreuer Untertanen bei dem prachtvollen Gepränge in der großen Kaiserstadt Sich zu erinnern geruhen würden". Wohlgesinnte Bürger hätten durch Zirkulare an die "Freunde des Vaterlandes", bei der Rückkehr des Königs ihre Freude und Stimmung durch "Beiträge zu einem schönen Zweck der Wohltätigkeit auszusprechen" aufgerufen (als Kapital zur Erhaltung des Friedrichstifts, das bisher nur aus freiwilligen Beiträgen bestand). (Granier, Berichte aus der Franzosenzeit)

18.01.

In St. Petersburg wird der Dreikönigstag (Jordansfest) begangen. Nach der Zeremonie der Wasserweihe auf der Newa werden die Militärfahnen mit dem geweihten Wasser besprengt. Am Abend Schauspiel ("Der Verschwender"), Ballett und Nationaltänze und -gesänge "im Kostüm der verschiedenen Nationen".

19.01.

Geburtstagsfeier für die Großfürstin Anna Pawlowna. Zur Messe des Erzbischofs erscheint der Hof in Gala. Die Königin besucht die Wohltätigkeits-Anstalten der Kaiserin (Smolni-Institut, Internat zur Erziehung adliger Töchter). Am Abend finden ein Feuerwerk und ein Ball masque (1.688 Personen) im Taurischen Palais statt. "Die schönste fête die ich je gesehen". schreibt Luise in ihrem Tagebuch  über dieses "Märchen aus der Tausend und Einer Nacht". (Klöden).

20.01.

Besichtigung des Preobraschenskyschen (?) Garde-Regiments. Ballett in der Eremitage ("Amor und Psyche", Diderot).

21.01.

Da die Königin erkrankt ist fahren König und Kaiser allein im Schlitten zu den Semenewskischen Garde-Kasernen.

22.01.

Im Schlitten geht es zu dem noch unvollendeten Kaiserlichen Haus am großen Newski-Prospekt. Besichtigung der Kasanschen Kirche und der Montierungskammern. Am Abend unterhalten griechische Kirchensänger.

23.01.

Schlittenfahrt mit dem Kaiser zur Parade. Ball beim Grafen Stroganow, Oberkammerherr, Mitglied des Kaiserlichen Rats, Direktor der öffentlichen Bibliothek und Präsident der Akademie der Künste, am Newski-Prospekt.

24.01.

Schlittenfahrt zur Parade, am Abend kleines Konzert.

25.01.

Geburtstag der  Kaiserin Elisabeth. Nach dem Gottesdienst findet eine Gratulationscour statt. Den Tag beschließen ein Souper im Theatersaal der Eremitage und ein Maskenball im Winterpalais (11.109 Personen vom Adel, 2.356 von der Kaufmannschaft, insgesamt ca. 18.000 Personen). Die Stadt und die Vorstädte sind illuminiert.

26.01.

Beim Besuch der Akademie der Künste wird dem König die Ehren-Mitgliedschaft verliehen. Auch die Akademie der Wissenschaften und ihre zahlreichen Sammlungen sowie die Kunstkammer werden besichtigt. Dann geht es zum Sommerschlösschen des Kaisers,  Kamenoi-Ostrow, ein kleines Schloss auf der sogenannten Steininsel, die von einem Nebenarm der Newa umgeben ist.

27.01.

Vorführung von Kriegsübungen, z. B. Sturm einer Festung auf dem Feld von Wolkowo. Fest beim französischen Gesandten in St. Petersburg, Armand Graf Caulaincourt.

28.01.

Die Königin besucht die Wohltätigkeitsanstalten der Kaiserin-Mutter im St. Katharinenstift. Mit dem Schlitten geht es über Strelna, Peterhof, Oranienbaum nach Kronstadt.

29.01.

Nach Zarskoe Selo und Pawlowsk, der Sommerresidenz des Zaren, dort Besuch des Alexanderpalastes und des alten Palastes.  Oper ("Eine Narrheit", Nicolo) und Ballett.

30.01.

Besichtigung des Instituts für Findlingskinder. Nach letzten Visiten Verabschiedung und Austausch von Geschenken. Der Tag endet nach Komödie und Ballett ("Zephyr und Flora", Diderot) im Schauspielsaal der Stadt mit einem Ball des russischen Adels für die Königin, einem "mixtum compositum", an dem 1.500 Personen teilnehmen. (Rothkirch)

31.01.

Abreise mit großer Eskorte und im Galawagen. In Strelna findet ein großes Abschieds-Diner statt.

 

Vom 26. Januar ab schreiben die Berlinischen Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen über Ankunft und Aufenthalt in St. Petersburg und die Rückkehr der Majestäten nach Memel. Auch das Das Journal des Luxus und der Moden berichtet ausführlich über St. Peterburg.  Königin Luise beschreibt in ihrem Tagebuch und in Briefen an den Kronprinzen das dortige Leben. (Rothkirch, GStA PK, BPH, Rep. 49 T 218).

01.02.

Bis Klein Pungern, Besuch des Grafen Liven.

02.02.

Bis Dorpat. Hier findet einen politische Unterredung mit dem österreichischen Gesandten Fürst Schwarzenberg statt.

03.02. bis 05.02.

Über Wolmar (3.2.), Riga (4.2.) nach Mitau (5.2.). Nach der Parade und Cour der Behörden findet ein Ball im Haus der Ritterschaft statt, den vormals und noch in der preußischen Armee dienende Offiziere geben.

06.02. bis 08.02.

Über Schrunden (06.02., Quartier bei Graf Medern, Empfang kurländischer Deputierter) und Oberbartau (07.02.) geht es am 08.02. begleitet von Graf Liven nach Memel. Hier halten Kosaken eine Ehrenwache.

09.02.

Nach der Revue geht es im Schlitten durch Memel. Argelander wird besucht und Abschied von den Begleitern General Liven und Oberst Gorgoli genommen. Luise schreibt an Kaiserin Elisabeth: "Erinnern Sie den Kaiser daran, dass er Ihnen … einen Besuch bei mir versprochen hat. Kommen Sie dann Anfang Juli, bei Ihnen Ende Juni, und bleiben Sie wenigstens zwei Monate bei uns. Sie werden eine Kur nach Stoffregens [Leibarzt der Kaiserin] Vorschrift durchmachen, und in Charlottenburg werden wir sie genau befolgen. … Der König und ich gehen unter den Leuten auf der Straße, und Sie werden mit offenen Armen empfangen werden." (Rothkirch)

10.02.

Ankunft in Königsberg. Hier war jeder festliche Empfang verbeten worden. "Er [Auerswald] hatte die Idee aufgefasst, den König durch God save the King aus den geöffneten Fenstern zu begrüßen. Dies gab mir die Idee ein, durch sämtliche Hautboisten, die sich hier befanden, den ankommenden Wagen begrüßen zu lassen. ... Schon nach halb vier Uhr Anzeige, dass die Majestäten kommen würden. Kaum an Ort und Stelle hörte man auch schon das Rasseln des Wagens. Sieben und Dreißig Instrumente begrüßten die Ankommmenden, und, als sie oben im Zimmer waren, wurde ein Vers des Liedes: 'Nun danket alle Gott!' gespielt. Welchen Eindruck dies machte habe ich nie erfahren. Der König, sehr heiter, sprach mit viel Innigkeit über den Gang der Reise, über die erhaltenen Beweise der Aufmerksamkeit und die Größe und Pracht der Gegenstände und Gebäude in Petersburg. Die Königin, weniger gesund, ging ins Einzelne mehr ein. Um 7 Uhr erfolgte das 'God save the King' und Abendmusik. Das Ganze machte einen guten Eindruck." (Delbrück)

11.02.

"Das Politische anlangend, ist die überwiegende Partei und Stimmung gegen Frankreich und sehr für Preußen. Unser König hat überall den Kaiser verdunkelt. Die Freundlichkeit bei männlichem Herrscher-Ernst hat alle Herzen eingenommen. Auch in den Geschenken ist er freigebiger gewesen und höchst verbindlich in der Art und Weise. Im Ganzen genommen soll die Reise höchstens 100.000 Tlr. gekostet haben." (Delbrück)

12.02.

"Bei der am 12. Februar erscheinenden Verordnung betr. Nutzbarmachung des toten Kapitals in Gestalt von ungemünzten edlen Metallen und Juwelen in Privatbesitz (durch Verkauf an die Münzämter oder Besteuerung) waren es die Reichen und Vornehmen, deren Patriotismus kläglich versagte, so dass die Vossische Zeitung vom 21. März ein Anklagegedicht wider die betrügerische Selbstsucht derer, die ihren Besitz verhehlten und vergruben, für nötig hielt." (Sophie Schwerin) - Besuch der Domkirche in Königsberg. "Ein 'Vivat', das beim Erscheinen des Königs ausgebracht wurde, erstarb fast ebenso schnell als es entstand." (Delbrück)

13.02.

Bei der Taufe des Sohnes des Fürsten Anton Heinrich Radziwill, Boguslaw, durch den Fürstbischof von Ermland, Prinz Josef von Hohenzollern-Hechingen, ist der König  Taufpate.

ab 14.02.

König und Königin sind in Königsberg.

18.02.

Abschiedskonzert Himmels im Kneiphoffschen Saal.

19.02.

Besuch der Reformierten Kirche.

20.02.

Bei einer Gesellschaft bei Auerswald (80 Personen) erscheint der König unerwartet.

22.02.

Der König habe nach der Tafel  bestimmt, dass er den Ball der Offiziere besuchen wolle, "umso mehr, da er ihn wie einen Abschiedsball betrachte. Das erste Mal, dass er der Reise nach Berlin durch Anspielung gedachte." (Delbrück)

23.02.

Geburtstag der Prinzessin Alexandrine.

26.02.

Besuch der Kirche.  Ball der Artillerie-Offiziere zu Ehren des Prinzen August, der am 27.2. zurück nach Berlin geht. Auch der König findet sich ein.

27.02.

Luise schreibt an Frau von Berg über Petersburg: "In der Kirche war ich nicht in Petersburg, habe also auch keine geistlichen Lieder gesungen  … Geistig ist man nicht sehr dort, aber recht materiell." (Rothkirch)

28.02.

Luise schreibt an den Bruder: "Ist es denn nicht ganz fürchterlich, dass wir den Enthusiasmus und die Liebe der guten Pommern, Märker und Berliner so müssen verrauchen lassen, ohne es nutzen zu können." (Rothkirch) Der Geburtstag der Herzogin von Holstein-Beck wird mit einer Mittagstafel gefeiert. Die Königin genehmigt die Feier des Luisentages.

04.03.

Ankunft des Prinzen August von Preußen in Berlin. Große Tafel zu Ehren des Grafen von Romanzow und Ball der Offiziere im deutschen Haus, dem die Königin, später auch der König beiwohnt.

07.03.

Ball beim Herzog von Holstein-Beck.

10.03.

In der Domkirche findet die öffentliche Vereidigung des Königsberger Magistrats statt. Parade zum Geburtstag der Königin Luise und Ball im Saal der Börse. "Die geringe Erwartung, mit welcher ich [Delbrück] mich hin verfügte, wurde sehr bald übertroffen. Der Saal war auf das geschmackvollste verziert und erleuchtet und erinnerte an den Konzertsaal des Berlinischen Komödienhauses, wie er am Tage des ersten Maskenballs war. Die Königin wurde beim Eintritt von der Musik begrüßt ... sechzehn Damen (gingen) vor der Königin vorüber, in weiß und blau gekleidet mit blausamtenem Diadem, worauf in Perlen der Name Luise. Jede legte ihr eine Blume zu Füßen, welche zusammen den Namen Luise-Charlotte [!] [die Vornamen waren Luise Auguste Wilhelmine Amalie] bildeten." Sie selbst schreibt über diesen Tag an Frau von Berg: "Mein Geburtstag war ein schrecklicher Tag für mich … J'ai dansé, j'ai souri, j'ai dit des choses honnêtes et je ne savais vor Unglück wohin." (Griewank) 

11.03.

Geburtstag der Gräfin von Voß. Er wurde " wie gewöhnlich bei Hofe durch ein Glas Punsch beendigt." (Delbrück)

12.03.

Wohltätigkeitsball. - "Der Krieg mit Österreich wird losbrechen, wie jedermann weiß, das ist im Grunde das Hindernis für unsere Rückkehr nach Berlin." Kabinettsordre: "Kommt es also zu einem Kriege zwischen Österreich und Frankreich, so verlange ich, dass außer den Vorsichtsmaßregeln, das Militär und die Erhaltung der Festungen betreffend, worüber ich meine Befehle bereits erteilt, durchaus Ruhe und Ordnung erhalten und kein Eklat aus unzeitigem Eifer, an dem Kriege gegen Frankreich teilzunehmen, ausbreche. ... Sie sind mir mit Ihrem Kopf dafür verantwortlich; denn ich kann und werde keine Anarchie in meinem Lande dulden, solange ich an der Spitze desselben stehe. ... Kraft, Mut und aber ebenso wesentlich Gehorsam bezeichnen den wahren Patrioten, der seine Privatmeinung und Ansichten stets dem letzteren aufzuopfern gewilligt sein muss." (BPH, NL Vaupel)

15.03.

Rundschreiben des Königs an die Gesandten mit der Ankündigung seiner alleinigen Rückkehr nach Berlin.

17.03.

"Österreichische Angelegenheiten. Man soll unserem König sehr lockende Anerbieten getan haben, wenn er teilnehmen wolle. Er hat standhaft alles abgelehnt." (Delbrück)

22.03.

"Wir leben täglich in der Hoffnung abzureisen und nach Berlin zurückzugehen, was in jeder Beziehung richtig und nötig wäre, und doch bleiben wir immer wieder hier! So vergehen die Tage, die Wochen, die Monate und die Jahre des Unglücks!" (Voss) Zum Geburtstag des Kronprinzen finden sich Deputierte des Breslauer und Namslauer Kreises ein.

12.04.

Luise schreibt an Kaiserin Elisabeth: "Die Krone hat für mich nicht den großen Reiz, den sie wohl für andere hat; ja ich wage zu sagen: es ist nicht der einzige Vorzug, den ich an mir kenne … Man ist [in Berlin] sehr unglücklich über unsere Verzögerung ..." (Rothkirch) Der König  verfasst eine Denkschrift über die Lage Preußens. (BPH, NL Vaupel).

14.04.

Zur Tafel sind der Geheime Staatsrat [Wilhelm] von Humboldt und Beyme anwesend. "Ersterer ist früher gekommen, um sich in Berührung mit der Sektion des Unterrichts zu setzen. Er war vornehm kalt und beantwortete die vorgelegten Fragen sehr geringschätzig." (Delbrück)

19.04.

Tauentzien schreibt in seinem Immediatbericht am 19.4.1809: "Alles ist hier auf eine so unglaublichen Weise exaltiert, so dass ich es für meine Pflicht halte, E.M. mit der Wahrheit bekannt zu machen und fußfällig zu bitten, eine kraftvolle und schnelle Partei zu ergreifen. Jedes Zaudern stürzt uns in ein unabsehbares Unglück, und die Hoffnung und das Vertrauen, dass E.M. sich an die Spitze der Nation setzen werden, welche vereint und durchaus einen Kampf gegen die Franzosen beginnen will, besänftigt die Gemüter und vereitelt die Absichten der Übelgesinnten. ... Ich sehe wohl ein, dass die Politik des russischen Hofes E.M. in der größten Verlegenheit setzt, allein Ihre Selbsterhaltung geht allen übrigen Betrachtungen vor, und diese können Allerhöchstdieselben nur durch glückliche Ereignisse erringen, aber gewiss nicht durch Russland und Frankreich." (BPH, NL Vaupel)

25.04.

Prinz August von Preußen schreibt dem König aus Berlin "Über Preußens politische und militärische Lage im Anfange des Aprils 1819". (BPH, NL Vaupel).

26.04.

Am Bußtag besucht der Hof die Predigt von Borowski in der neuen Roßgartschen Kirche. "Wenn nur der Papst nicht immer so durchblickte in der taktlosen Strafpredigt, dessen Wort am Ende so gut verhallt wie jedes andere", moniert Delbrück.

29.04.

Gedenkfeier für den Großen Kurfürsten.

02.05.

Polizeipräsident Gruner berichtet an Dohna über eine "Gärung in Berlin, nur die Ankunft des Königs oder der Krieg mit Österreich gegen Frankreich könne die Ruhe wiederherstellen". (Granier, Berichte) - Bei Tisch ist die Proklamation Bayerns Gespräch. "Ein empörendes Wort im Munde eines deutschen Fürsten." (Delbrück)

03.05.

Baron Moltke trifft aus Petersburg ein. An der Tafel nehmen die Prinzen von Homburg und die Radziwills teil.

04.05.

"Schill ist aus Berlin mit seinem Husarenregiment verschwunden … um irgendeine große Unbesonnenheit zu begehen. Gott gebe, dass er wenigstens nicht seinen König dabei kompromittiert." (Voss) - Wenige Tage später treffen erste Nachrichten eintreffen: "Fast nie habe ich auf dem Gesicht des Königs einen solchen Ausdruck des Schmerzes gesehen, und Sie sprach zum ersten Male über die Verletzung alles Gehorsams." (Delbrück)

05.05.

Zum Konzert Himmels (Hufelands "Glaube, Lügen, Hoffnung"; Mahlmanns "Stärke im Unglück") ist der ganze Hof anwesend.

06.05.

Polizeipräsident Gruner und Oberpräsident Sack berichten unabhängig voneinander an Dohna über eine franzosenfeindliche Stimmung in Berlin und über Gerüchte von Konspirationen gegen den König in Königsberg und betonen die dringende Notwendigkeit der Rückkehr des Königs. (Granier, Berichte)

09.05.

Ankunft des Fürsten von Oranien aus dem Hauptquartier des österreichischen Kaisers.

13.05.

Luise schreibt an Kaiserin Maria, der König sei unschuldig an den aufständischen Bewegungen in Westfalen und an dem Abfall Schills. "Aber wird Napoleon … an diese Unschuld glauben?" (Rothkirch)

21.05.

Erste Nachrichten aus Berlin über die Lage bei Wien und über Schill, der die Festung Dönitz genommen hat.

24.05.

Feier des Geburtstages der Prinzessin Luise. "Alles erinnerte an Charlottenburg. Der Frohsinn war innig und blieb doch in den Schranken. Nach Tische wurde nach der Scheibe geschossen." (Delbrück)

06.06.

Erbprinz Georg, Bruder der Königin, trifft in Königsberg ein (er bleibt bis 5.9.) Man zieht für einige Tage in ein kleines Gartenhaus auf den Huben.

25.06.

Luise schreibt an Hofrat Lentz in Berlin: "Sollte sich also der Fall ereignen, dass die Franzosen oder andere alliierte Truppen Berlin besetzen sollten, so gebe ich  Ihnen den Auftrag, mein gesamtes Mobiliar von Wert zu retten und es bei verschiedenen Gutgesinnten unterzubringen. Meine Bronzen, Alabastervasen, der große russische Spiegel, die Tische von Malachit etc., alles, was von Wert ist, mit einem Wort, zu retten. ... Von des Königs Sachen gilt dasselbe." (Rothkirch)

26.06.

Vom 26.6. bis 11.7. reist Delbrück mit den Prinzen durch einen Teil Ostpreußens.

12.07.

Truppenbesichtigung in Königsberg. Waffenstillstand zwischen Frankreich und Österreich.

13.07.

"Gegen 12 Uhr begaben wir uns nach dem Schloss. Dem alten Dierke missglückte der etwas seltsame Plan, dass sämtliche Prinzen in Prozession zur Prinzessin sich verfügen sollten. Die Heldin des Tages kam uns entgegen. Große, glänzende Versammlung, nur fehlten die Majestäten. Es sollte Wagen an Wagen fahren, damit ein Volksfest, welches die Bewohner der Huben angeordnet, gehörig angeschaut werden könnte. Das gab ein Hin und Her, ein Auf und Nieder ohne Ende, ohne Sang und Klang. Endlich fuhr man und, wie es mit solchen Anordnungen gewöhnlich geht, ging es auch dies Mal. Aus Furcht zu versäumen, versäumten wir wirklich. An der Brücke nämlich wurde die Przßn. mit Gesang empfangen. Wir hörten ihn nur in der Ferne. An dem Eingange in den Garten mit voller Musik und von König und Königin. Wie verfehlten auch diesen schönen Augenblick. Fuhren wir früher, war alles anders. So sind die Alten." (Delbrück)

24.07.

"Zelter, Himmel, Minister nebst Graf Friedrich und Helvetius (von Dohna), Kanzler Schroetter nebst Frau, Scheffner, [W. v.] Humboldt, Rehdiger, General Scharnhorst mit Tochter und Sohn, zuletzt unter allen Prinzess Wilhelm nebst Frau von Rehdiger ... Vor dem Beginn der Musik war der Waffenstillstand [zwischen Napoleon und Österreich] der Gegenstand unserer Vermutungen und des Verdrusses." (Delbrück)

03.08.

Der Geburtstag des Königs wird im Gartenhaus auf den Huben  und mit einer "Landpartie en famille" nach Medenau (Dorf und Rittergut im Krs. Fischhausen) verbracht, da der König keine Feier gestattete und das dafür bestimmte Geld an die Armen verteilen ließ. - In Berlin wird die Königsgeburtstagsfeier  festlich begangen mit Illumination, Sinnbildern und Inschriften.

08.08.

Manöver des Gardebataillons in der Nähe von Neuhaus.

12.08.

Besuch von Schloss Friedrichstein.

14.08.

Am Konzert von Himmel und Zelter nimmt der Hof teil.

17.08.

"Der Hof ist fast beständig auf seinem kleinen Landsitze, den Hufen, welcher ziemlich nahe vor der Stadt ist. Zu den Vorträgen kommt der König herein, sonst ist er aber mittags und abends draußen. Vor einigen Tagen hatte der Hof eine Kollation in Friedrichstein angenommen und ist ganz entzückt von dort zurückgekommen." (Sophie Schwerin)

24.08.

Zum Diner sind Prinz Georg von Mecklenburg-Strelitz und Staatsrat Wilhelm von Humboldt geladen.

26.08. bis 17.09.

Manöver bei Königsberg (mit Unterbrechungen).

02.09.

"Der Kronprinz und Gaudi saßen um 6 Uhr zu Pferd und ließen mir herrliche Muße. Der Kronprinz kehrte um halb 10 Uhr zurück. Der erste Gang war zum Bette, auf welchem eine halbe Stunde geruhet wurde. Als er wieder zum Vorschein kam, sagte ich ihm ganz ruhig und freundlich: Ob ihm denn bei dergleichen Bequemlichkeiten, die er sich gönne, nicht einfiele, wie wohl Hannibal in seinem Alter nach dergleichen Übungen sich benommen. Was Friedrich II. sagen würde, wenn er seinen Enkel ertragen und ermüden sähe, und wie Napoleon frohlocken würde, wenn er erführe, dass des Gegners Nachkommenschaft so wenig ertragen könne. Es schien Eindruck zu machen." (Delbrück)

24.09.

Besuch der Schlosskirche und militärische Feierlichkeiten: "Das Namensverzeichnis der Soldaten des ehemals Rüchelschen Regiments sollte in der Kirche eingeweiht werden." (Delbrück)

30.09.

Zum Geburtstag der Prinzessin Friederike findet eine große Gesellschaft statt. "Die Königin in all her pride!" (Delbrück)

01.10.

"Herzogin von Württemberg mit Mdm. Bußy. Die Königin wieder glänzend unter Glänzenden. Nach der Tafel Staatsvisite bei der Herzogin." (Delbrück)

04.10.

Geburt des Prinzen Albrecht († 14.10.1872).

15.10.

Ball anlässlich des Geburtstags des Kronprinzen, "eine kleine, aber ausgesuchte Gesellschaft, glänzend in ihrem Äußern. Der von der Schützengilde angesetzte Aufzug verzögerte die Eröffnung des Balls. Nach den ersten drei Polonaisen erschien er. Ein Zug von Laternen erleuchtete die Reihe. Eine Deputation überreichte dem Kronprinzen ein Gedicht, welcher nicht so gut antwortete, als im vorigen Jahre den Studenten." (Delbrück)

07.11.

Frau von Voß erregt sich darüber, dass Prinzessin Charlotte "das Kind zu den Paten tragen" soll, "mit 11 Jahren, ohne Schleppe, in einem Kinderkleid ist das noch zu früh, aber man muss eben denken, dass wir noch in Königsberg sind, und es nicht so genau mit der Etikette nehmen!"  - Aus Berlin trifft Herr von Rauch ein und schildert den "Rausch und Jubel", den die "Gewissheit der Rückkehr der Majestäten hervorgerufen hat." (Voss) Auch Oberpräsident Sack berichtet an Dohna, die Rückkehr des Königs sei Hauptgegenstand des allgemeinen Interesses. (Granier, Berichte)

08.11.

Taufe des Prinzen Albrecht.

21.11.

Oberpräsident Sack schreibt an das Neumärkische Regierungspräsidium, noch sei über die Rückreise des Königs nichts bekannt, jedoch soll eine Revision der wahrscheinlich zu wählenden Wege sowie deren Instandsetzung mit Eifer betrieben werden, damit die Reise schnell und bequem vor sich gehen könne.

24.11.

Im November hatte der König  General  von Krusemarck als Gesandten nach Paris beordert, nach Erhalt seiner Berichte  wurde die Rückkehr nach Berlin auf Ende Dezember 1809 festgesetzt. - Luise kündigt dem Bruder die Rückkehr nach Berlin an. "Ich schicke Dir sogar einen Eilboten von Berlin, damit Du den Tag unserer Ankunft in der bonne ville sicher nicht versäumst … Wir denken am 14. oder 15. hier abzureisen und mit Gottes Hilfe am 23. gegen Mittag in Berlin einzutreffen. … Du musst also spätestens am 20. in Berlin sein, um Dich am 21. auszuruhen und am 22. mit der Berg in Freienwalde eintreffen zu können; dort werden wir die letzte Station machen und über Nacht bleiben, ehe wir in Berlin einziehen." (Rothkirch)

30.11.

Geburtstag des Prinzen Karl von Mecklenburg.  - In der Vossischen Zeitung wird ein Gedichts von Dr. F. H. Bothes mit der Überschrift: "Die Heimkehr des Landesvaters und der Landesmutter. Am 23. Dezember d. J. zu singen" abgedruckt. Polizeipräsident Gruner, der dafür verantwortlich ist, wird dafür gerügt, denn "es könne kein Ereignis sein, wenn des Königs Majestät von einer seiner Residenzen in die andere reise." (Buchholtz)

01.12.

Abreise des Prinzen Heinrich, Bruder des Königs, nach Berlin.

05.12.

Abreise des Prinzen Wilhelm, Bruder des Königs, nach Berlin. Prinzessin Wilhelm schreibt ihrem Bruder: "Ich mögte so gern das Schloss in Marienwerder sehen und über die Weichsel in einem Kahn fahren. Gustaf animierte mich, die alte Komturei zu sehen, aber das war unmöglich wegen dem ungeheuren Schmutz. Darin hatte Napoleon einmal recht, dies ein 4. Element - hier in Preußen wenigstens - zu nennen!" (Briefe der Prinzessin Wilhelm)

07.12.

Besichtigung des von Karl August Zeller geleiteten Waisenhauses in Königsberg, "wo 31 Knaben nach Pestalozzischen Methode zu Landschullehrern gebildet werden". (BPH, Rep. 49 B III 7c)

09.12.

Einweihung des neuen Komödienhauses. Beim Eintritt der Majestäten "in der ganz vorzüglich dekorierten Loge" sei ein Vivat ausgebracht worden, "und als der Vorhang aufgezogen ward, stand die ganze Schauspielergesellschaft in einer Reihe" und sang ein Lied auf die Melodie von God save the King. (BPH)

10.12.

Abreise der Schwester Friederike mit ihrem Gemahl und des Prinzen Karl von Mecklenburg aus Königsberg. Abschiedsdiner für die Königsberger Damen.

11.12.

Abreise des Prinzen und der Prinzessin Radziwill und der Gräfin von Voss aus Königsberg.

12.12.

Abreise der Minister, Geheimen Staatsräte und des Hofmarschallamts nach Berlin. Abschiedsbesuche der Majestäten.

13.12.

† des Kammerdieners Heinrich. Abreise der königlichen Kinder aus Königsberg. Audienz für die Geistlichkeit, den Magistrat, die Vertreter der Universität; im Anschluss Abschiedscour für die ganze Stadt.

14.12.

Abschiedsdiner.

15.12.

Beginn der Rückreise nach Berlin. Am Abend wird Heiligenbeil erreicht und Nachtquartier beim Kaufmann Brickmann genommen.

16.12.

Das eigentliche Ziel Finckenstein wird nicht erreicht, da auf schlechten Wegen der Wagen stecken bleibt, auch viele Wagen brechen. In Preußisch Mark werden sie durch den dortigen Amtmann Kopp aufgenommen.

17.12.

Über Riesenburg nach Marienwerder, Nachtquartier beim Kassierer Büttner. Am Abend Ball im Regierungsgebäude.

18.12.

Über Neuenburg und Junkerhoff nach Tuchel.

19.12.

Über Conitz, Schlochau, Hammerstein nach Neustettin.

20.12.

Über Tempelburg, Falkenburg nach Dramburg. Das Nachtquartier in Dramburg musst möbliert werden, da das Haus bisher leer gestanden hatte. Das Schloss Falkenberg des Grafen von Borck war als Quarztier angeboten worden.

21.12.

Nach Stargard.

22.12.

Über Pyritz, Bahn, Königsberg/Nm., Grüneberg nach Freienwalde. Am Fährkrug Empfang durch berittene Bergleute des Alaunbergwerks mit Fackeln und Musik, die den König begleiteten. Am Schloss werden sie von einer Deputation aus Berlin erwartet, der um Genehmigung für die  Feierlichkeiten bittet.

23.12.

Einzug in Berlin in einer Kutsche, die der Berliner Magistrat geschenkt hatte, durch ein Spalier der Innungen unter Glockengeläut und mit 101 Kanonenschüssen. Der König hatte ursprünglich einen feierlichen Empfang verbeten, auf Bitte der Deputierten der Berliner Bürgerschaft aber doch einiges gestattet. "Man hat eine Art Altar in einem Garten errichtet und eine Masse grüner Orangen-Blätter an die Bäume gebunden; dort wurden die Majestäten hingeführt, um die Deputationen der Stadt zu empfangen". Dejeuner der Stadt, die Königin in einem "altdeutschen hermelinbesetzten Kleid von dunkelblauem Samt". (Voss) Am Abend Illumination und Fahrt durch die Stadt.  - Das Journal des Luxus und der Moden 1810 beschreibt die Feierlichkeiten ausführlich.

28.12.

Über die ersten Tage in Berlin schreibt Prinzessin Wilhelm ihrem Bruder: "Ich will meinem lieben Herrgott danken, wenn ich einmal wieder in Ruhe sein werde. Mit unseren Abenden sind wir leider noch nicht im reinen, bis jetzt war der ganze Hofstaat dabei, und das will W. nicht mehr; das abschaffen, nachdem es bisher geschah, wird viel Hafer und Heu kosten. ... Ich sage Dir nichts vom Einzug des Königs, weil Du das alles in Deinen vielgeliebten und beliebten Zeitungen lesen wirst, auch dass den andern Tag ein feierliches Te Deum im Dom war (und eine erbärmliche Predigt) und den 3. Tag 'Iphigenie in Aulis' im Opernhaus, damit hatte es ein Ende. Montag ist die erste Cour. Nach der Ankunft war ein enormes Diner beim Prinzen Ferdinand, so wie man nichts mehr gewöhnt war, und dann ein solches den andern Tag beim König. Der Einzug war höchst rührend, auch war der König recht tief ergriffen und konnte nicht ein Wort reden, als er vom Pferd stieg. Die paar Stunden, die wir in der Kälte auf dem Balkon standen, um erst das Militär, dann die National-Garde und die Zünfte defilieren zu sehen, hätte ich gern geschenkt, denn ich wurde ganz steif davon. Bei unserer Reise nahm der Spektakel bei jeder Station zu; in Frankfurt ging es toll zu, Illuminationen, Couren, großes Souper mit allen Bürgermeistern etc. etc., Studenten, Serenaden, Vivats, von allem dem gab es dort. Ohnweit von hier kam uns die Schützengilde zu Pferd entgegen und führte uns ein, nebst andern Bürgern, welche Fackeln trugen. Vom äußersten Ende der Stadt bis zum Schloss war ein Vivat-Rufen, ein solches Schreien und Tumult, dass ich nicht mehr wusste, wo mir der Kopf stand; so fiel ich meiner Schwägerin in die Arme ...Wahrlich, wir können uns der Aufnahme rühmen, denn sie war über unsre, lang über meine Erwartung."

 

"Im Dezember 1809 erfüllte sich endlich die so lange vergeblich genährte Hoffnung auf die Rückkehr des Königs. Jene erste begeisterte Hoffnung war freilich längst gewelkt, - mancher Sturm hatte seitdem ihre Blüten abgestreift. - Wie die politischen Ereignisse die Erwartungen im allgemeinen herabgestimmt hatten, so waren sie es en detail durch die neuen Auflagen und Schikanen, durch die Konsumtionssteuer und die Silberstempelung - diesen Gram, der in das Innere jedes Haushalts und an das Herz jeder Hausfrau griff. Es war eine schmerzliche Erfahrung, dass gerade das, was das Unglück unserer Regierung am deutlichsten aussprach, die Unzufriedenheit mit ihr am unvermeidlichsten erregte." (Sophie Schwerin)

 

"Es war, als sei man verpflichtet, nur in Sack und Asche zu leben, solange die Herrscher verbannt, die Bedrücker im Lande blieben. Man dachte an jene als nur von Kummer und Sorgen gebeugt und war später sehr verwundert, als nach der Rückkehr aus Preußen der Rückblick auf jene Unglücksjahre doch auch mit angenehmen Reminiszenzen verbunden war. Vielleicht zum ersten Mal hatte sich der Hof dort etwas freier von den alten Formen seines hiesigen Lebens gefühlt. Gemeinsame Schicksale und Not, welche die Menschen verbinden, hatten auch dort neue persönliche Beziehungen an die unglücklichen Fürsten herantreten lassen und so den Grund gelegt zu einer Vorliebe der königlichen Familie für alles, was aus Preußen kam und in Preußen war." (Rochow)

29.12.

In Berlin verbreitet sich "Unruhe wegen der zu vergebenden Hofstellen - es mischen sich so viel Rücksichten darinnen, dass es unmöglich ist, sich heraus zu finden und bei der bekannten Unentschlossenheit die Sache noch ärger wird - vorgestern war alles genehmigt, darauf ward schon Aufschub der Pension zugesagt, jetzt findet man es töricht jetzt Stellen zu vergeben, welche in blühenden Zeiten nicht existierten usw. und doch soll Massow Obermarschall werden, nicht seines Verdiensts wegen, denn viele Klagen hat man über ihn, sondern weil er als Hofmarschall nicht mehr brauchbar ist; ich wollte, ich wäre aus diesem ganzen Gräuel heraus, und doch kann ich es nicht. Vortrefflich hat sich die Königin bei der Sache genommen und mit Kraft und Würde gesprochen, dass sie die nicht verlassen könne, welche sie nicht in ihrem Unglück verlassen  - darauf ist die Sache noch einmal der Untersuchung des Ministers Altenstein aufgegeben worden." (BPH, Rep. 49 B III 7c)

30.12.

Empfang des Hamburgischen Gesandten.  - "Seine Königliche Majestät haben wegen der Repräsentation bei großen Cour-Tagen und dem Rechte, an letzten bei Hofe zu erscheinen, allergnädigst zu beschließen geruht, dass bei künftigen Couren sämtliche Hof-Chargen in Funktion sein und alle hier anwesende wirkliche und Titular-Kammerherren sich dieserhalb dabei einfinden, auch in der angeordneten Hof-Uniform und mit dem Kammerherren-Schlüssel erscheinen sollen, insofern sie nicht wegen einer anderen Militair- oder Zivil-Charge eine andere Dienst-Uniform zu tragen haben. In Absicht auf die Hoffähigkeit bleibt es wie vormals, dass diejenigen, die bis jetzt nach feststehenden Grundsätzen Zutritt bei Hofe gehabt haben, auch fernerhin dieses Vorzugs genießen, so wie dieses Vorrecht auch mit allen alten und neuen Zivil-Chargen und Würden von Präsidenten der Landes- und Provinzialkollegien und ... aufwärts bis zum Geheimen Staatsminister verbunden bleibt. Den Frauen, deren Männer hoffähig sind, steht es frei, der Präsentation bei Seiner Majestät der Königin durch Allerhöchst Ihre Hofmeisterin nachzusuchen; ... Es versteht sich übrigens von selbst, dass alle Königlichen Diener, welche vermöge ihres Dienstes zu Tragung einer Dienst-Uniform berechtigt sind, nur in dieser ... bei Hofe erscheinen können." (BPH)

31.12.

"Es wirkte tief verstimmend, als wenige Tage nach der Rückkehr des Königspaares ein Publikandum erschien, das von 'Hoffähigkeit', 'Hofkleidung', 'Courordnungen', 'neuem Pagenkorps' und ähnlichen höfischen Nichtigkeiten nach Petersburger Muster wie von den nunmehr allerwichtigsten Maßnahmen handelte." (Sophie Schwerin)

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© Gaby Huch