Dr. Gaby Huch | Roedernstraße 49 b | 12623 Berlin | 0172 2736985 | gaby@huch.berlin
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1814

 

27./28.02.

Nach Bar sur Aube, am Abend zurück nach Colombay.

01.03. bis 13.03.

Nach Chaumont (Hauptquartier), wo sich Friedrich Wilhelm III. bis zum 13.03. aufhält."Papa war von den drei Regenten der Einzige bei der Affaire [Bar sur Aube]; die beiden andern waren schon am 25. hierher gegangen. Papa wollte es abwarten.  Bei dieser Affaire habe ich zum ersten Mal die Bekanntschaft der kleinen Kugel gemacht." (Cohn) Am 10.03. erhält Prinz Wilhelm  das Eiserne Kreuz.

14.03.

Nach Bar sur Aube.

15.03.

Nach Troyes. Hier bleibt der König bis 19.03.

20.03.

Nach Poincy.

21.03.

Nach Pougy ins Hauptquartier. Am 23.03. Weiterreise Richtung Paris. 

30.03.

Schlacht vor Paris. Die Nacht wird in Pantin im Hauptquartier verbracht. Friedrich Wilhelm III. schreibt an Charlotte: "Hurrah! Hurrah! Hurra! Paris ist unser [bis hierher in Russisch] Morgen früh 7 Uhr rücken wir ein. Graf Schwerin wird über alles Nähere Auskunft geben können. Ich bin sehr müde, Gute Nacht, schlaf wohl und küsse sogleich Luischen u. Albrecht. Pantin 1/2 Meile vor Paris, den 30. März 14". (BPH, Rep. 49 J 201a)

31.03.

Einzug in Paris. Quartier im Hôtel Beauharnais; Konferenz Friedrich Wilhelms III. mit Zar Alexander und Talleyrand.

01.04. bis 03.06.

Besichtigung der Tuilerien, von Notre Dame, Les Invalides, St. Geneviève, Louvre (geführt von Alexander von Humboldt), am Abend Besuch der Oper (Die Vestalin). "Unser König und Herr kümmerte sich um Liebe oder Widerwillen der Pariser nicht. Er ging und fuhr und ritt in Paris, ebenso wie in Berlin oder Charlottenburg, ohne alle Bedeckung und in keiner andern Begleitung als der Alexander Humboldts und des diensthaben Adjutanten. Täglich sahen die Pariser ihn so anspruchslos, und doch in unzertrennlicher Gesellschaft ihres gebildetesten, gelehrtesten Mitbürgers (denn als Mitbürger galt ihnen Humboldt) in allen Sälen, in allen Museen, an allen Orten, wo für die Wissbegierde etwas zu sehen und zu lernen war." (Hippel) Humboldt verwendete sich mit Erfolg bei der preußischen Kommandantur für den Schutz des "Museum d'Histoire naturelle".

02.04.

Le Jardin des Plantes, Antikenkabinett, Schloss Luxemburg, am Abend Ballett und Oper.  "Ehrenbezeugungen wurden den Monarchen zuteil, wenn sie die öffentlichen Institute besuchten. In der ersten Woche seines Aufenthalts in Paris ging der König in das große Museum und die Sammlung Französischer National-Denkmale im Augustiner-Kloster; auch kam er wiederholt in das Atelier des Malers Girard, der des Königs Bild in Lebensgröße malte. Den Palast des gesetzgebenden Corps und die Bibliothek besuchte der König in Begleitung seiner Söhne. ... Am 21. wohnten der König und seine Söhne gemeinschaftlich mit dem Kaiser Alexander einer Sitzung der Französischen Akademie bei. ... Der König besuchte außerdem einzelne Kaufläden, den architektonisch merkwürdigen Saal der olympischen Gesellschaft, die Modellsammlung zur Beförderung der Künste und Handwerke und endlich die Münze. ... Seine Abneigung gegen Prunk und Ostentation bewahrte der König auch in Paris, dem Mittelpunkt des Luxus, und mitten im Getriebe der Franzosen, die auf äußeres Gepränge so großen Wert legen." (Cohnfeld)

04.04.

Revue über eine Abteilung des 3. Corps. Wilhelm schreibt: "Da wären wir ja in dem großen Sündenpfuhl wo ich unter solchen Umständen nie her zu kommen glaubte. ... Von dem Jubel bei unserem Einzug macht man sich keinen Begriff; ich verweise auf den Graf Schwerin. Besehen haben wir die Hauptsachen schon alle, wie die Tuilerien mit einer orientalischen Pracht, den Louvre, die 1.400 Fuß lange wunderschöne Bildergalerie, das Antikenkabinett (Apollo und Laokoon waren verpackt), die Invalidenanstalt, Le Jardin des Plantes mit dem Naturalienkabinett und wilden lebendigen Tieren. Ein Elefant unter anderem. Das Schloß Luxemburg, Petits Augustins, eine Sammlung von Monumenten und Statuen seit dem 14. Jahrhundert, sehr interessant, das Pantheon, das Atelier von Gerard, das Corps Legislativ, Palais Royal, in welchem alles, alles zu haben ist. … Nein eine solche Stadt!!! Nein, die himmlischen Balletts der großen Oper!!! Göttlich!!! Die Vestalin wurde gegeben." (BPH, Rep. 49 J 201a)

14.04.

"H. und sein Bruder werden dem König Louis XVIII. von Frankreich vorgestellt. H. muss dem König Friedrich Wilhelm III. von Preußen als Begleiter und Vorleser dienen; er steht in der höchsten Gnade'." (Humboldt-Chronologie)

17.04.

Nach Versailles und zurück über St. Cloud.

20.04.

Charlotte schreibt an den König: "Man sagt, daß Sie noch die Ankunft und die Krönung Ludwig XVIII. beiwohnen wollen; und dann spricht man von einer Reise nach England und endlich Wien. Wie lange, unabsehbare Zeit würde das noch mit sich nehmen! Mein lieber Papa, o machen Sie das alles so schnell als möglich ab; mit welcher Sehnsucht werden Sie hier von 1000senden erwartet." (Granier)

22.04.

Über Versailles und Cognieres nach Rambouilliet und zurück.

03.05.

Einzug des französischen Königs Louis XVIII. in Paris.

07.05.

Über Neuilly und Nanterre nach Malmaison und zurück.

11.05.

Nach Versailles.

13.05.

Friedrich Wilhelm III. an Charlotte: "Meine Reise nach England ist beinah als beschlossen anzusehen, die Einladung war nicht abzulehnen, der Prinz-Regent fordert mich dazu auf und meine Schwester wünscht es sehnlich. Von London über Wien nach Berlin zu reisen, ist auch nicht der nächste Weg, allein auch diese Einladung ließ sich nicht ablehnen." (Bailleu)

22.05.

Prinz Wilhelm an seinen Bruder, Prinz Carl: "In London sind wir noch nicht, wie Du siehst; auch ist noch gar nicht bestimmt, ob wir mitgehen; es scheint beinahe nein. ... Die Interimsröcke trägt man noch selten und geheim; wenn man in Ruhe ist, werden sie wohl wieder nach und nach aufkommen. Die Subaltern Offiziers tragen alle Stiefeletten, Beinkleider, wir aber nicht. ... Unser Aufenthalt wird wohl nicht mehr lange hier sein; vielleicht nur noch 8 Tage. Wie gesagt, über uns ist nichts bestimmt. Gestern war der frz. König au théatre francais. Papa und wir waren im Fraqu. Es war wieder ein rasender Lärm, als die allerchristlichste Majestät kam. ... Morgen sind wir nach Malmaison eingeladen, um daselbst den ganzen Tag zu passieren. Wenn das so regnigt ist wie heute, so wird es ein schlechter Spaß sein. - Eben kommen wir von der Visite des Duc d'Orleans, ein sehr aimabler Mann. Ich schicke Dir hierbei einige Zeitungen, die ich Dich bitte an Charlotte zu geben, die sie, glaub ich, aufhebt, nachdem Du sie gelesen hast." (GStA PK, BPH, Rep. 51, J 521)

23.05.

Nach Malmaison und zurück.

24.05.

Nach Vincenne und zurück.

25.05.

Nach la Croix d'Accueil und zurück.

02.06.

Nnach Amiens.

03.06.

Nach Boulogne.

04.06.

"Abends um halb 7 Uhr landeten die hohen Herrschaften in England. Alle Matrosen … schwenkten ihre Hüte unter Freudengeschrei, alle Schiffe flaggten und feuerten unablässig. Am Ufer war Militär aufgestellt; unter einer unabsehlichen Volksmenge wurden die Monarchen von den ihnen entgegengesandten Kammerherren des englischen Regenten bewillkommnet. Im Gefolge des Königs befanden sich der Kronprinz und dessen Bruder Prinz Wilhelm, der Prinz Friedrich, Neffe des Königs, Prinz August Ferdinand, Fürst Blücher, Fürst Hardenberg, Baron von Humboldt etc." (Klöden)

05.06.

Über Canterbury, Rochester, Dartford nach London.

06.06. bis 18.06.

In London Quartier im Haus des Herzogs von Clarence; Assemblee beim Prinzregenten in Carltonhouse. Wilhelm an Charlotte: "Den 4. um 6 Uhr morgens reisten wir von dem so merkwürdigen Paris ab. - Obgleich inkognito im Frack wurden wir doch überall mit Freudengeschrei empfangen. In Amiens blieben wir die Nacht, wo wir um 6 Uhr ankamen, dinierten und sogleich die recht schöne Kathedrale in Augenschein nahmen. den 5. reisten wir wieder um 6 Uhr ab nach Boulogne, wo wir um 4 Uhr anlangten. ... Den Abend war Ball ... Den 6. des Morgens war dann die Flut wieder eingetreten, und um 1/2 12 Uhr embarquierten wir uns in ein kleines Boot, um nach dem 3 Decker Linien-Schiff Impregnable zu kommen. ... Als wir aus dem Hafen fuhren und Frankreich verließen, salutierte uns die ganze Flotte, welche auf der Reede zu unserer Eskorte lag, welches aus dem Fort Boulogne beantwortet wurde. Auf allen Schiffen standen denn die Matrosen auf den Masten und schrien Hurrah! Als wir auf dem Impregnable ausstiegen und auf dem Verdeck anlangten, wurde sehr schön God save the king gespielt; es war echt rührend und feierlich. Dann wurde Hurrah gerufen." (Granier)

08.06.

Nach Asconheath und Windsor, über Hounslow zurück.

10.06.

Auf der Themse nach Woolwich, zurück auf dem Land; Besichtigung des  Linienschiffes Nelson, des Arsenals und der Werft; Besichtigung und Vorführung in der Congrevschen Raketen-Artillerie-Schule.

11.06.

Nach Oxford und Besuch der Universität.

12.06.

Der König notiert in seinem Tagebuch: "Große Zeremonie der Universität und im Rathause (Town Hall). Observatorium" Ernennung beider Monarchen zu Doktoren der Rechte, Überreichung der Diplome; Ernennung des Herzogs von Wellington, des Fürsten Metternich, des Grafen Liven und des Fürsten Blücher zu Ehrenmitgliedern der Fakultät; im Stadthaus Verleihung des Bürgerrechts der Stadt Oxford an beide Monarchen.

15.06.

Bankett des Stadtrats und der Bürgerschaft von London für beide Monarchen, "zu welchem die feierliche Auffahrt nach dem Stadthause mit eben dem Zeremoniell, wie sie bei der Krönung eines Königs von England stattzufinden pflegt, vor sich gehen sollte."

16.06.

Nach Cheswick und Oaklands zur Herzogin von York (Prinzessin Friederike von Preußen).

17.06.

Zurück nach London zur Revue im Hyde-Park. Besuch der Parlamentssitzung; am Abend Konferenz mit Lord Castlereagh.

18.06.

Besuch des Britischen Museums, der Westindischen Schiffswerft und des Amtshauses der ostindischen Kompanie. "Der Aufenthalt in London war eine beinahe ununterbrochene Reihe von Festlichkeiten, von denen die meisten aber einen so eigentümlichen Charakter trugen, daß sie nicht in die gemeine Rubrik gerechnet werden konnten. So die Erteilung des Hosenbandordens an unseren König ... die dreitägige Erleuchtung des unermesslichen London, die Revuen in Hyde-Park ... endlich das merkwürdige Fest in der City ..." (Schwerin)

20.06.

Nach Portsmouth, Quartier im Gouvernementshaus. Wilhelm schreibt an Charlotte am 21.06.: "… nach Portsmouth, um die Stadt, Hafen, Truppen zu sehen. Von dort den 24. nach Dover, 25. nach Calais, 27. der König, ich und Adj[utanten] nach Paris … In Paris einige Tage, dann nach Neuchâtel, einige Tage, nach Karlsruhe, und so weiter nach Berlin ... Die gestrige große Fête im Cloup hat alle Erwartungen übertroffen, Sie war magnifique. In einer großen Galerie wurde getanzt, in 2 anderen gespeist. Es waren an 3.000 Personen dort. Um 1/2 6 heute früh sind wir mit Papa nach Haus gekommen." (Granier)

21./22.06.

Einschiffung und Besichtigung der Flotte auf der Reede; Dejeuner auf dem Linienschiff "Impregnable"; bei der Rückkehr an Land gab die Garnison "sechs schöne Salven mit Geschütz und Kleingewehr". (Pagel)

22.06.

Von Portsmouth nach Petworth zum Truppenmanöver.

23.06.

Über Brighton nach Dover.

24.06.

Einschiffung (Fregatte Nymphen) und Überfahrt nach Calais, Dejeuner beim "Kaiser und Großfürsten". (Pagel) 

25.06.

Nach Amiens "in tiefem Inkognito … Wir haben heute der königlichen Familie im Frack unsere Aufwartung gemacht." (Pagel) - "Während seines jetzigen Aufenthalts in Paris aß der König nur einmal bei Ludwig XVII., und zwar à quatre couverts; beide Könige, Prinz Wilhelm und der Herzog von Berry." (Schwerin)

26.06. bis 05.07.

Nach Paris. Hier wird Quartier beim preußischen Gesandten bis zum 05.07. genommen. "Musste man im Ganzen die Bescheidenheit loben, mit der das Pariser Publikum das Inkognito des Königs ehrte und ihm, so leicht er auch überall erkannt wurde, nirgends lästig fiel, so war dies keineswegs für den supplizierenden (begleitenden) Teil desselben der Fall, so daß es keine geringe Aufgabe war, dieser Zudringlichkeit zu steuern." (Schwerin)

06.07. bis 22.07.

Reise nach Neuchâtel und in die Schweiz in Begleitung des Prinzen Wilhelm in strengstem Inkognito und ohne Gefolge. Am 06.07. Besichtigung des Schlosses Fontainebleau, wo Napoleon die Abdankungsurkunde unterzeichnet hatte; bis Sens Begleitung durch Alexander von Humboldt. "Der König hatte den Bitten seiner getreuen Neufchâteller, sich ihnen  wieder als Landesherr zu zeigen, nachgegeben, und so führte sein Weg erst über Neufchâtel, Bern, Freiburg, Karlsruhe, Frankfurt, Weimar nach Berlin. … Es war wohl schön für die Preußen, die Schweiz und Deutschland in jenem Augenblick zu durchstreichen, wo, wie Arndt sagte, 'der preußische Name durch ihre Siege und die Art, wie sie ihre Siege gebraucht haben, der größte und teuerste deutscher  Namen geworden war.' Von dieser Anerkennung ergriffen, rief Gneisenau damals aus: 'Nun noch eine liberale Konstitution und alles Deutsche wird kokettieren, um preußisch zu werden!'" (Schwerin)

09.07.

Ankunft in Neuchâtel, Unterkunft beim Grafen Pourtalès.

10./11.07.

Audienzen, dann Gottesdienst; Fahrt nach Schloß Erbach; Diner beim Fürsten Pourtalès; Vorstellung der Deputierten verschiedener Schweizer Kantone; am Abend Ball auf dem Rathaus und Ballett in schweizer Kostümen. Wilhelm an Charlotte: "Du siehst, dass wir in dem herrlichen Neuchâtel eingetroffen sind - … Wir fuhren nach Fontainebleau. Im tiefsten inkognito (ein Geheimnis), wo wir das merkwürdig durch N. gewordene Schloss besahen, und dann nach Sens weiterreisten. Den 9. nach Avalon, den 10. über Dijon, eine ziemliche Stadt, nach Auronne, den 11. nach Petalier, über Besançon ... den 12. dann, gestern, hielten wir unsern Einzug in diesem herrlichen Ländchen. Herr von Pourtalès, einer der reichsten Neuchâteler, empfing uns an der Grenze, wo er sich in unseren Wagen setzte, Alle Dörfer waren mit Ehrenpforten geschmückt, wo die Bürgergarden paradierten und weiß gekleidete Mädchen mit Blumen streuten. Es war eine bis zur tiefsten Rührung gehende Freude unter den Einwohnern. ... In der Stadt hier, wo der Lärm am stärksten ist, wohnen wir bei Herrn von Pourtalès, wo wie gleich dinierten, und nach Tisch nach dem Preußischen Garde-Hospital in Biel fuhren, welches äußerst gut und reinlich veranstaltet ist, und von dort nach einer schönen Kattun-Fabrique."

12.07. bis 17.07.

Weiterreise nach Bern.

18./19.07.

"Alle Straßen waren gedrängt voll Menschen, um sich an der schönen Erleuchtung zu ergötzen, für die man sich noch nie so viel Mühe gegeben hatte. Überhaupt sind die Berner sehr preußisch gestimmt." (Schwerin)

20.07.

Nach Zürich.

21.07.

Über Eglisau, den Rheinfall nach Schaffhausen.

 

Über das Höllenthal, Freiburg nach Emmendingen.

22.07. bis 26.07.

Weiterreise über Karlsruhe nach Mainz und Frankfurt am Main zu Truppenbesichtigungen.

24.07.

 "… morgens … erhielt ich vom Könige den Befehl, über Darmstadt nach Frankfurt zu gehen, um ihn am erstgenannten Orte zu entschuldigen, während er mit dem Prinzen Wilhelm und Natzmer ganz inkognito nach Mainz gehen wollte, um die dortige Garnison und Festung zu besehen. ... In Darmstadt richtete ich meinen Auftrag aus und ward von dem Großherzog und der Großherzogin sehr artig empfangen, wiewohl doch einige Empfindlichkeit über das Ausbleiben des Königs unverkennbar hindurchblickte." (Schwerin)

27.07.

"Umweg über Wilhelmsbad, wo der König die Erinnerung einer früher dort verlebten Badezeit aufsuchen wollte, die ihm sehr wohlzutun schien und wobei sein Gedächtnis sich wieder bis auf die geringfügigsten Details merkwürdig bewährte". (Schwerin)

28.07.

Eisenach. "Die Unterhaltung beim Tee roulierte über die deutschen Angelegenheiten, und was in Zukunft von ihnen in Bezug auf einen soliden, dauerhaften Verein zu erwarten stehe. Der König äußerte seine Meinung darüber sehr freimütig und machte sich wenigstens keine Täuschung über die Schwierigkeit dieses Unternehmens, bei der man ihn, wie er meinte, zum Regierungsrat des Kaisers von Österreich machen wolle." (Schwerin)

29.07.

Über Gotha, Erfurt nach Weimar; Dejeuner dinatoire im Lustschloss Friedrichsthal beim Herzog von Gotha; in Erfurt im Gouvernementsgebäude Versammlung aller Zivil- und Militärbehörden; Musterung der Truppen auf dem Marktplatz; Empfang einer Deputation der Universität im Gouvernementshaus, "welche auf einem Samtkissen ein Gedicht* überreichte, dessen nachheriges Schicksal wohl nicht der Mühe entsprach, die es den Verfasser gekostet haben mochte. Den Äußerungen nach schätzen sich die Erfurter sehr glücklich, wieder von Preußen okkupiert zu sein, sie hatten daher auch aus eigener Bewegung ein Monument napoleonischer Zeit mit einem Altare vertauscht, auf dem ein großes eisernes Kreuz aufgepflanzt stand." (Schwerin)

30.07.

Nach Leipzig.

31.07.

In Wittenberg Musterung der Truppen, Besichtigung der Festung; Besuch von Luthers Grabstätte; urspr. wollte der König in Wittenberg bleiben, fasst aber den Beschluss, doch nach Potsdam zu reisen, "um womöglich ganz unerwartet dort einzutreffen. Es gelang dies auch so gut, daß die kleine Tür, durch welche der König gewöhnlich ins Schloß zu gehen pflegt, noch verschlossen war, und selbst von den königlichen Kindern, die erst von einem Ball in der Stadt abberufen werden mussten, keines anwesend war. Weniger gut konnte diese Überraschung auf den Stationen gelingen, da die Pferde zum Empfang des Königs bereit stehen mussten und dadurch auch die Landräte und Vorsteher anderer Behörden verführt worden waren, sich auf dem Relais einzufinden, was den König nicht in die beste Laune versetzte. Auch der Sand von Wittenberg bis Potsdam, so wenig auch die entgegengesandten königlichen Gespanne ihn zu beachten schienen, fiel dem König so störend auf, daß wir uns wohl Hoffnung machen dürfen, auf diesem Wege Chausseen entstehen zu sehen, sobald es die Mittel nur einigermaßen erlauben." (Schwerin)

01.08.

"…der König war sehr gnädig und heiter. Leider war er aber heimlich in Berlin gewesen, hatte alle Vorkehrungen zu seinem Empfang zu ostentatiös gefunden und alles zu viel und zu schön; das Zeughaus, was so besonders schön verziert war, hat er ganz abräumen  und seines Schmuckes entkleiden lassen und sehr gescholten." (Voss)

02.08.

"Inzwischen bildete die Rückkehr des Königs mit den Garden den Glanzpunkt für Berlin. Des Königs Sinn widersprach es jederzeit (namentlich auf seinen Reisen) darbot, selbst mit Rauheit zurückzuweisen. Die Zeit hatte ihn indessen doch so weit fortgerissen, daß er jetzt einen feierlichen Empfang in Berlin annahm. Die Stadt traf große Vorbereitungen dazu, aber so ganz konnte er seine Natur nicht verleugnen. Er kam des Tags zuvor inkognito zur Stadt, um die Anordnungen zu besehen, fand alles zu viel; manches musste wieder zerstört werden, und als er seinen feierlichen Einzug an der Spitze der Garden hielt, tat er es so überraschend früh vor der erwarteten Stunde, daß fast noch niemand auf der Straße war und er dadurch dem größten Hurra entging. Glücklicherweise hatte mich die Sorge, die Straße nicht mehr überschreiten zu können, früh genug hinausgetrieben, um diesen Einzug, ziemlich kahl, auf dem noch ganz leeren Pariser Platz zu sehen; weiterhin in der Stadt war es wohl lebendiger. Dann gab es zum ersten Mal den Aktus eines Militärgottesdienstes im Freien, und da sonderbarerweise gerade in den Unglücksjahren das Ordensfest zuerst bei und eingeführt worden war, so kann man wohl von jener Zeit an bei uns das Aufleben solcher Zeremonien und öffentlichen Demonstrationen datieren, an die unsere Herrscher seit Friedrich I., glaube ich, nicht mehr gedacht hatten und mit denen wir jetzt so überschüttet werden. Großartig fand man die Illumination, die diesen Tag beschloss, und ich sehe besonders noch ein ungeheures illuminiertes Kreuz am dunklen Nachthimmel schweben, daß die katholische Kirche auf ihrer Kuppel errichtet hatte. Es erschien wie eine Vorbedeutung der großen Macht, die gerade diese Kirche in unserem protestantischen Lande gewinnen sollte."  (Rochow)

03.08.

Ankunft in Potsdam.

04.08.

"Um 9 Uhr morgens hielt der König seinen Einzug; alle Truppen, auch die russischen, bildeten Spalier. Dann war Gottesdienst." (Parthey); Cour; Besuch der Oper und des Nationaltheaters, Diner im Schloss, Besichtigung der Illumination der Stadt.

05.08. bis 10.08.

Charlottenburg.

10.08.

"Der König fuhr mit der Prinzess Charlotte nach Potsdam, um die Russen einziehen zu sehen." (Voss) - Stiftung des Luisen-Ordens.

11.08.

Truppeneinmarsch in Berlin; Diner für die Offiziere im "Komödienhaus", am Abend Schauspiel.

12./13.08.

"Die sämtlichen Truppen, Russen und Preußen zusammen, wurden heute vom König festlich bewirtet; die Tafeln standen dicht gereiht über den ganzen Lustgarten und die Linden entlang bis an das Brandenburger Tor. Der König mit dem großen Militärgefolge ging überall selbst umher, an jedem Tisch die Leute zu sehen und zu begrüßen."  (Voss) Am Folgetag Gala-Diner für die Garde-Offiziere im Weißen Saal des Schlosses.

14.08.

Ausmarsch der Truppen.

15.08. bis 15.09.

Der Hof ist in Charlottenburg "Sonderbarerweise zeigten sich zu derselben Zeit die Kontraste zu jenen Bestrebungen [sich vom Französischen zu entfernen], indem die aus Frankreich zurückkehrenden Fürsten und Militärs uns die ersten Proben des Luxus, der Eleganz französischer Moden mitbrachten, die dadurch liebte, wenn es der Königin einfiel, sich ein Toilettenstück aus Paris kommen zu lassen, schenkte jetzt nicht nur seinen Töchtern dergleichen uns unbekannte Luxusgegenstände, sondern er fing auch an, auf solche Dinge zu halten. Seine spätere Gemahlin musste immer aus Paris gekleidet sein." (Marwitz)

16.09.

Beginn der Reise nach Wien von Charlottenburg aus in Begleitung des Fürsten Wittgenstein, der im Mai 1815 nach Berlin zurückkehrt, und Hardenbergs (beide bereits abgereist) sowie der Prinzen Wilhelm und August (reisen 1 Tag später); im Ausland reist der König inkognito als "Graf von Ruppin".

17.09.

Ankunft in Breslau. "Die Stadt war erleuchtet; alle übrige Solennitäten aber unterblieben auf ausdrücklichen Befehl des Königs, dem das frohe Jauchzen des Volkes das bei weitem schönste Festzeichen war. Am Tage nach seiner Ankunft hielt der König Musterung über die Truppen, und abends besuchte er einen Ball, den die Stadt ihm zu Ehren in dem festlich geschmückten Lokal der Provinzial-Ressource veranstaltet hatte." (Cohnfeld)

18.09. bis 21.09.

Über Neisse, Quartier in der Friedrichstädtischen Apotheke, Troppau, Brünn nach Wolkersdorf. Friedrich Wilhelm III. erwartet hier die Ankunft des Kaisers Alexander..

22.09.

Nach Wien. "Man schreibt mir aus Wien, daß der Kaiser Franz als Ehrenpforte zum Empfang unseres König das Brandenburger Tor ganz genau hat in Holz nachmachen lassen, was ein hübscher Gedanke war." (Voss) Unterkunft des Königs im Schweizerhof, nach dem Diner am Hof Besuch des Theaters - "Wien war damals aber mehr denn je auch die Stadt der großen Theater- und Musikveranstaltungen. Nie zuvor hatte es hier eine solche Konzentration künstlerischer Spitzenleistungen gegeben wie in der Zeit des Kongresses." (Wernigerode)

23.09. bis 20.10.

"Unter gegenseitigen Freundschaftsbezeugungen schien man sich nur erforschen zu wollen, und es herrschte eine wahre Gewitterluft, es lag ein banger Druck auf den Gemütern. Um sich dessen zu entledigen, um die äußere Haltung zu gewinnen, stürzte man sich in Zerstreuungen, und es nahm den Anschein, als seien die großen Herren mit ihrem zahlreichen Gefolge nur dazu nach Wien gekommen, um sich dort von ihrem kaiserlichen Gastgeber aufs herrlichste bewirten und an täglichen neuen Festen erfreuen zu lassen. ... Damals sprach der alte Fürst Ligne das berühmt gewordene Wort: 'le congrès danse, mails il ne marche pas. ... König Friedrich Wilhelm III. ... imponierte durch seine ernst militärische Haltung ... Die Prinzen Wilhelm und August von Preußen nahmen sich sehr gut, sehr stattlich aus.'" (Bernstorff) - Einzug des russischen Kaisers; Besuch der Augustinerkirche; Diner bei Hof; ins "Kasperle" - Stolbergs jüngerer Bruder Constantin war Adjutant beim König und tat häufig Dienst im Vorzimmer. Henrich von Stolberg-W. hatte nur eine Audienz beim König: "Halb 2 Uhr war ich zum König bestellt. ... Es wurde gewartet bis die Kaiserin von Russland ankam. Die Feierlichkeiten waren die selbigen wie früher. ... Der König kam heraus und sprach einige Worte mit mir sehr gnädig." (Stolberg)

21.10. bis 26.10.

Reise nach Preßburg, Ofen und Pest in Ungarn (bis 29.10.), Quartier bei Graf Carl Esterhazy.

27.10. bis 31.12.

Wien.

 

 

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