Dr. Gaby Huch | Roedernstraße 49 b | 12623 Berlin | 0172 2736985 | gaby@huch.berlin
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1822

 

01./02.01.

Der Hof ist in Potsdam. "Der Anfang des Jahres 1822 zeigte nichts als die Feier des Krönungs- und Ordensfestes und den Karneval, der sich aber wenig bemerkbar machte." (Klöden)

03.01. bis 11.01.

Der Hof ist in Berlin. Am 06.01. wird im Prinzessinnenpalais das "Bohnenfest" gefeiert.

12.01. bis 14.01.

Der Hof ist in Potsdam.

15.01.

Rückkehr des Hofes nach Berlin.

20.01.

Krönungs- und Ordensfest. Nach dem Gottesdienst im Dom bewegt sich der Zug der Ordensritter zum Schloss. Das Diner findet in der Bildergalerie statt.

21.01.

In den folgenden Wochen finden anlässlich des Karneval verschiedene Festlichkeiten am Hof und bei den Ministern statt. "Die Opern, die im Karneval gegeben werden, stehen in der Zeitung verzeichnet. … Von Görres neuester Schrift: 'In Sachen der Rheinlande usw.' spricht man gar nicht; man hat fast keine Notiz davon genommen." (Heine, Briefe aus Berlin)

24.01.

Ankunft des Großherzogs und der Großherzogin von Mecklenburg-Strelitz, die ihr Quartier im Schloss nehmen.

26.01.

Subskriptionsball  im Schauspielhaus.

27.01.

Gala-Hofball im Rittersaal.

29.01.

Zweites Bohnenfest im Prinzessinnenpalais.

31.01.

Ankunft des Prinzen Eugen von Württemberg mit Gemahlin.

01.02.

Zum Geburtstag der Prinzessin Luise findet ein Dejeuner dinatoire stat.

02.02.

Subskriptionsball

16.02.

Ankunft des Erbprinzen von Mecklenburg-Schwerin aus Wien.

23.02.

Der Geburtstag der Prinzessin Alexandrine beginnt mit einem Dejeuner dinatoire. Am Abend wird eine französischen Komödie aufgeführt und im Prinzessinnenpalais findet ein ball statt.

02.03.

Anlässlich des Geburtstags der Herzogin von Cumberland wird ein Dejeuner dinatoire gegeben. Am Abend finden ein Maskenball und ein Souper beim Herzog Karl von Mecklenburg-Strelitz statt.

04.03.

Subskriptionsball.

06.03.

Große Parade der Garnison Unter den Linden.

11.03.

Dejeuner dinatoire im Botanischen Garten.

13.03.

Abreise der Großherzogin.

16.03.

"Boucher ... hat wirklich Recht, wenn er Berlin la capital de la musique nennt. Es ist hier den ganzen Winter hindurch ein Singen und Klingen gewesen, dass einem fast Hören und Sehen vergeht. Ein Konzert trat dem andern auf die Ferse. … Die Assembleen bei den Ministern sind jetzt geschlossen; die einzigen, die noch fortdauern, sind die, welche dienstags bei dem Fürsten Wittgenstein stattfinden." (Heine, Briefe aus Berlin)

23.03.

Im Frühjahr 1822 nahmen die Bewegungen in Hinterpommern überhand, - die Belows mit erweckten Scharen gingen gegen die Geistlichkeit und die Kirche; das Konsistorium mit Polizei und Gensdarmen gegen die Belows und die Erweckten vor …; der König schickte eine Kommission nach Pommern zur Untersuchung der Angelegenheit  ... Die liberalen Volksstimmen, wie: der König habe sein Wort nicht gehalten mit der versprochenen Konstitution und wir brauchten keinen König, der wie der Kronprinz immer bete und ein Frömmler sei, konnte man damals unter den gewöhnlichen Leuten auf der Straße hören." (Gerlach, Aufzeichnungen II)

30.03.

Abreise des Großherzogs

31.03.

Diner für sämtliche Stabsoffiziere in der Galerie.

01.04.

Parade der Garnison Unter den Linden.

03.04. bis 07.04.

Nach der Truppenbesichtigung im Lustgarten geht der König zu den Osterfeierlichkeiten nach Potsdam. Rückkehr nach Berlin am. 08.04.

09.04. bis 11.04.

Der Hof ist in Berlin.

12.04. bis 16.04.

Der Hof ist in Potsdam. Am 15.04. findet nach der Rekrutenbesichtigung für das Offizierskorps ein Diner in der Orangerie des Neuen Gartens statt. Nach der Truppenbesichtigung im Lustgarten und einem Besuch auf dem Pfingstberg Rückkehr nach Berlin.

Mitte April bis Mai

Der König ist abwechselnd in Berlin, Potsdam, auf der Pfaueninsel.

22.04.

Der König besichtigt das "neue Badehaus des D. Augustin" (BPH), ist in Sanssouci und besucht den Pfingstberg.

26.04.

In Berlin findet die Konfirmation der Prinzessin Auguste Solms beim Herzog von Cumberland statt.

29.04.

Der König schreibt an Prinz Wilhelm und kündigt ihm die Festlichkeiten und militärischen Übungen anlässlich der in Potsdam stattfindenden Manöver für die kommende Woche an.

30.04. bis 07.05.

Nach Potsdam zu den Manövern. Am 03.05. wird im Neuen Palais ein Diner für das Offizierskorps des Lehr-Infanterie-Bataillons gegeben.

04.05.

Ankunft des Herzogs und der Herzogin von Anhalt-Köthen. Am folgenden Tag großes Brigademanöver.

07.05.

Am Morgen Dejeuner im Marmorpalais. Nach dem Diner in Sanssouci Rückkehr nach Berlin wo ab dem 08.05. die Manöver fortgesetzt werden..

11.05.

Nach Potsdam.

12.05.

Nach Paretz.

13.05. bis 18.05.

Nach Potsdam, wo bis 18.05. die Manöver fortgesetzt werden. Am 16.05. bestimmt der König in einer Kabinettsordre, dass sich die Offiziere des Kadetten-Corps bei Couren und anderen großen Feierlichkeiten nach ihrem Rang zwischen den Garden aufstellen sollen. Am 18.05. Rückkehr nach Berlin.

19.05.

In den nächsten Tagen finden in Berlin Korpsmanöver statt. Am 22.05. trifft der Großherzog von Mecklenburg-Strelitz ein.

25.05.

Vermählung der Prinzessin Alexandrine mit dem Erbgroßherzog Paul Friedrich von Mecklenburg-Schwerin im Berliner Schloss. "Ich bin kein Adeliger, kein hoher Staatsbeamter und kein Offizier: folglich bin ich nicht kurfähig und konnte den Vermählungsfeierlichkeiten auf dem Schloss selbst nicht beiwohnen. Dennoch ging ich nach dem Schlosshof, um mir wenigstens das ganz kurfähige Personal zu beschauen. Ich habe noch nie so viele prächtige Equipagen beisammen gesehen. ... Es war ein furchtbares Menschengewühl auf dem Schlosshofe. Das muss man sagen, die Berlinerinnen sind nicht neugierig ... mich amüsierten sehr die vornehmen Hofkleider und Hofgesichter." (Heine, Briefe aus Berlin)

26.05.

Gottesdienst in der Domkirche. "… die hohen Neuvermählten …fuhren in der achtspännigen goldenen Kutsche mit großen Glasfenstern, und wurden von einer gewaltigen Menschenmenge bestaunt. … Des Abends war Gratulationskur und hierauf Polonäsenball im Weißen Saale." (Heine, Briefe aus Berlin)

27.05.

Gala-Diner im Rittersaal. Am Abend wird die Oper von Spontini "Nurmahal, oder Rosenfest in Kaschmir" aufgeführt. "Man spricht aber überhaupt nicht viel Gutes von der Nurmahal. Ein Meisterstück kann sie nicht sein. Spontini hat viele Musikstücke seiner älteren Opern hineingeflickt." (Heine, Briefe aus Berlin)

28.05.

Freiredoute. "Schon um halb neun fuhren Masken nach dem Opernhause. … Wenn ich nicht den festen Glauben in der Brust trüge, dass die Berliner Muster von Bildung und feinem Betragen sind, … wenn ich mich nicht bei vielen Gelegenheiten überzeugt hätte, dass der poverste Berliner es im anständigen Hungerleiden sehr weit gebracht hat und meisterhaft darauf eingeübt ist, den schreienden Magen in die Formen vornehmer Konvenienz einzuzwängen: so hätte ich von den Leuten hier sehr leicht eine ungünstige Meinung fassen können, als ich bei dieser Freiredoute sah, wie sie das Buffet sechs Mann hoch umdrängten, sich Glas nach Glas in den Schlund gossen, sich den Magen mit Kuchen anstopften, und das alles mit einer ungraziösen Gefräßigkeit und heroischen Beharrlichkeit, dass es einem ordentlichen Menschenkinde fast unmöglich war, jene Büffetphalanx zu durchbrechen, um, bei der Schwüle, die im Saale herrschte, mit einem Glas Limonade die Zunge zu kühlen. Der König und der ganze Hof waren auf dieser Redoute. ... Unser König trug ein bläulich-dunkles Domino." (Heine, Briefe aus Berlin)

29.05.

Grundsteinlegung für die neue Schlossbrücke.

31.05.

Zum 100-jährigen Bestehen der Garnisonkirche findet der Gottesdienst in Anwesenheit des Königs statt. Grundsteinlegung für eine neuen Artillerie- und Ingenieur-Schule.

01.06. bis 03.06.

Nach Potsdam.

04.06.

Abreise des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin. Rückkehr nach Berlin.

07.06.

Abreise des neuvermählten Paares über Potsdam nach Ludwigslust, der König folgt am nächsten Tag.

08.06. bis 14.06.

Reise nach Ludwigslust. Der König wird begleitet vom Erbgroßherzog von Mecklenburg und dessen Gemahlin, der Prinzessin Luise, den Prinzen Carl und Albrecht und Generalmajor von Witzleben. Am 08.06. werden das Friedrich-Wilhelms-Gestüt in Neustadt a. D. und die Spiegelmanufaktur besucht, am 09.06. das Saiger-Hüttenwerk, dann geht es nach Havelberg, wo der Dom besichtigt wird. Am 10.06. wird die Kirche in Perleberg besucht, Ankunft in Ludwigslust. Am Folgetag werden der Schlossgarten und die katholische und evangelische Kirche besichtigt Nach einem großen Diner Besuch des Mausoleums im erbgroßherzoglichen Garten. Am nächsten Tag findet eine Parade im Schlossgarten statt. Danach werden die neuen Stallgebäude besichtig. Der Tag endet mit einem ländlichen Fest und der Illumination der Wasserseite des Schlosses. Am 13.06. beginnt die Rückreise durch die Wische und über Arneburg (Besteigung des dortigen Kirchturms). Am Morgen des 14.06. wird über die Elbe übergesetzt, Ankunft in Potsdam am 14.06.

15.06. und 16.06.

Von Potsdam aus Besuche auf der Pfaueninsel.

16.06.

Nach Charlottenburg.

18.06.

Enthüllung der Marmorstatuen der Generale von Scharnhorst und von Bülow neben der neuen Wache. Ankunft des Erbgroßherzogs von Weimar und Gemahlin, die aus Petersburg kommend.

20.06. bis 23.06.

Nach Potsdam. Ausflüge zur Pfaueninsel.

24.06.

Nach Charlottenburg.

28.06. bis 30.06.

Pfaueninsel. Am 30.06. Ausflug nach Paretz und Besuch der Kirche.

01.07. bis 05.07.

Charlottenburg. Der König schreibt an den Kronprinzen: dessen Brief habe er entnommen, dass die Musterungsreise nach Pommern erfolgreich verlaufen sei und es auch an "Festlichkeiten aller Art … nicht gefehlt hat", dies "bezeugen gleichfalls die Zeitungen nach alt hergebrachter Sitte" (BPH, Rep. 49 J 214). Der Aufenthalt in Charlottenburg wird von mehreren Ausflügen zur Pfaueninsel unterbrochen.

14.07.

Der König schreibt an Charlotte: "Man spricht immer viel von Florenz; kommt der Kongress zustande, so gedenke ich mich auf 14 Tage auch dorthin zu verfügen und Fritz und Wilhelm mitzunehmen, damit sie von dort aus das berühmte Italien durchstreifen können. Ich selbst beabsichtige etwas ähnliches, indem ich mich auf etwa 8 Tage nach Rom und auf ebenso lange nach Neapel zu begeben Willens bin." (Bailleu)

16.07.

Besuch im Atelier Krügers und der "Menagerie seltener Tiere des Martin" (BPH)

19.07. bis 21.07.

Zur Pfaueninsel und am Folgetag nach Paretz. Hier empfängt der König eine Kompagnie der Potsdamer Militärwaisenknaben und besucht am 21.07. die Kirche.

22.07.

Nach Charlottenburg.

25.07.

Besuch in Werners Bronzefabrik.

26.07.

Besuch in Bellevue.

28.07.

Nach Potsdam und Ausflüge zur Pfaueninsel. Am 30.07. trifft der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin ein.

31.07.

Besuch des Geologischen Museums der Universität.

01.08.

Besuch der Kunstkammer.

03.08.

Der König feiert seinen Geburtstag auf der Pfaueninsel. Ankunft des Herzogs und der Herzogin von Anhalt-Köthen.

04.08.

Rückkehr nach Charlottenburg.

06.08. bis 30.08.

Abreise zum dreiwöchigen Kuraufenthalt in Teplitz. Im Ausland reist der König inkognito als Graf von Ruppin. Ankunft in Teplitz am 07.08., Quartier im dortigen Herrenhaus. In den folgenden Wochen beginnt der Tag mit dem Vortrag des Kabinetts. Der weitere Tag wird mit Ausflügen nach Graupen, Dorn, zum Kloster Ossegg, zum Kapellenberg etc., die Abende mit Besuchen beim Fürsten Clary, Bällen und Theateraufführungen verbracht. Am 14.08. findet ein "Ball zum Besten der Armen des Badehospitals" (BPH) statt. Am 20.08. trifft Erzherzig Franz in Teplitz ein (Abreise 22.08.). Abreise am 29.08. Der König von Sachsen schickt eine vierspännige Droschke nach Zehist zum Empfang des Königs von Preußen. Anschließend geht es nach Pillnitz ins Bergpalais, wo mit der ganzen königlich-sächsischen Familie das Mittag genommen wird. Ein Besuch der Bastei in der Sächsischen Schweiz schließt sich an, bevor es in Richtung Großenhain weitergeht. Nach einer Übernachtung wird am 30.08. Potsdam erreicht.

30.08. bis 06.09.

Der Hof ist bis in Potsdam. Ausflüge zur Pfaueninsel und nach Paretz.

05.09.

Ankunft des Erbgroßherzogs von Mecklenburg-Schwerin mit Gemahlin (Alexandrine) zu den Herbstmanövern.

07.09. bis 11.09.

Charlottenburg. Am 09.09. beginnen die Herbstmanöver.

11.09.

Besuch der Ausstellung vaterländischer Gewerbeerzeugnisse im königlichen Gewerbe-Institut in Begleitung der Prinzen und Prinzessinnen und des Erbgroßherzogs von Mecklenburg-Schwerin und Gemahlin.

12.09.

Nach Berlin, wo die Manöver fortgesetzt werden.

18.09.

Besuch in den Ateliers von Wach und Rauch.

ab 20.09.

Abreise zum europäischen Kongress in Verona. Im Ausland reist der König inkognito als Graf von Rupppin. Der Kronprinz vertritt den König während dessen Abwesenheit als dessen Stellvertreter. Über Merseburg, Erfurt, Fulda, Hanau, Frankfurt, Weinheim, Karlsruhe. Überall finden Paraden und Truppenbesichtigungen statt. Am 26.09. entscheidet sich der König, die Reise nach Verona von Karlsruhe aus durch die Schweiz, über Basel, Neuchâtel, den Simplon und Mailand fortzusetzen. Am 01.10. wird Neuchâtel erreicht. Am 09.10. Ankunft in Mailand, am 15.10. Ankunft in Verona zum Kongress der Heiligen Allianz. Der König ist begleitet von Hardenberg, Bernstorff, Hatzfeld, Alexander von Humboldt, Job von Witzleben (der ihn auch auf der anschließenden Reise durch Italien begleitet). "Hier war die Garnison unter Waffen und alles zum Empfang des Königs bereit." (Witzleben)

16.10.

Ankunft des russischen Kaisers. Der König schreibt an den Kronprinzen: "Über die Art der letzten [Geschäftsberichte] bin ich sehr zufrieden, und die darauf zu erteilenden Bescheide werden erfolgen. Auch für alle Details, die Deine Brief enthalten, sage ich dir Dank; sowohl Deine Corpsreisen als die Gesellschafts-Gegenstände und die Gegenstände die Familie betreffend, die wie Du weißt, wenn sie auch noch so geringfügig wären, mir doch immer lebhaft interessieren. ... Ich kam gestern nach 2. Uhr hier an, kurz nach des Österreichischen Kaisers Ankunft. Heute ist auch der Kaiser Alexander hier eingetroffen, es war alles ungefähr wie in Troppau, nur kam mir der Vize Reg. entgegen statt des Kaisers, da dieser eben selbst erst eintraf. Dir von meiner Reise zu reden ist eigentlich unmöglich, so viel Schönes und Herrliches habe ich gesehen ... Der Lago Maggiore mit seinen Inseln ist bis jetzt das, was mir in Italien am merkwürdigsten erschienen ist ... sonst der Mailänder Dom mit seiner unbegreiflichen Bauart. Von hier kann ich noch nichts sagen, denn ich habe noch nichts sehen können, da bis jetzt bloß von Visiten annehmen und geben die Rede war. Das hiesige Theater ist nicht sonderlich ... Das alte römische Amphitheater sah ich bis jetzt nur im Vorbeigehen ... Am Mittwoch habe ich einiges für Euch zurückgebliebene eingekauft ..." (BPH, Rep. 49, J Nr. 214)

19.10.

Der König schreibt an Charlotte: "Ich habe meine Reise hierher über Frankfurt, Nassau, Neufchatel, Lausanne, durch das Waliser Thal, über den Simplon, Mailand und Brescia gemacht, und auf der ganzen Tour durch die Schweiz und Italien sehr viel interessantes zu sehen bekommen. ... Wilhelm und Karl sind vorgestern hier vergnügt und wohl angelangt, und sind beide unermüdet mit allem Sehenswürdigen auf ihrer Herreise beschäftigt gewesen. Am 23. gehe ich nach Venedig, bleibe dort etwa anderthalb Tage, kehre dann wieder auf 8 Tage nach Verona zurück und beabsichtige sodann eine Tour nach Rom und Neapel zu machen, komme sodann noch einmal nach Verona zurück, und rechne ungefähr um Neujahr wieder in Berlin zurück zu sein." (Bailleu)

23.10.

Über Padua nach Venedig, Ankunft am 24.10. Prinz Wilhelm schreibt an Charlotte (05.11: "Im ganzen macht Venedig aber doch einen traurigen Eindruck … denn es verliert immer mehr von seinem Wohlstande; alle reichen Familien haben die Stadt seit langem verlassen, und ihre schönen Paläste stehen öde und oft mit vernagelten Fenstern und Türen da. … Leider ist Papa wie gewöhnlich durch alles nur durchgelaufen, um sagen zu können, er sei überall gewesen; wir waren aber zwei Tage länger in Venedig und haben daher die schönsten Dinge noch einmal mit Muße besehen. - Heute ist Papa abgereist nach Rom; wir folgen morgen und sollen doch am selbigen Tage mit ihm dort eintreffen, folglich müssen wir so rasch reisen, dass wir in den vielen interessanten Punkten, welche wir passieren, nichts sehen können; und das ist auch seine Absicht, denn er sagt täglich, dass das viele Besehen zu nichts helfe. So will er auch sein Versprechen jetzt zurücknehmen, dass wir vier Wochen länger in Italien reisen könnten als er; schon hat er uns heute durch Wittgenstein 14 Tage von den vier Wochen abgekürzt, und die übrige Hälfte wird auch wohl noch folgen." (Pagel)

28.10.

Rückreise über Padua nach Verona, Ankunft am 29.10.

30.10.

Der König schreibt an den Kronprinzen: er habe die Bekanntschaft des schwedischen Kronprinzen gemacht, der Verona am kommenden Tag verlässt, um seine Reise über Berlin nach Schweden fortsetzen - "Er spricht in eins fort vom Militaire, und wünscht etwas Manöverartiges, wie ich bemerkt, in Berlin zu sehen. Wenn er es wünscht so kannst Du also eine große Parade ihm zu Ehren veranlassen, und den anderen Tag etwa ein Korps-Manöver vorbereiten. Morgen kommt Rex Sardinian und übermorgen Rex Napolitanian, Montags ist der Kaiserin ...tag  und Dienstag gedenke ich von hier nach Roma superba zu gehen, wo ich den sechsten Tag nach der Abreise eintreffen werde 1. Ferrara 2. Forli 3. Ancona 4. Tolentino 5. Terni 6. Rom" (BPH, Rep. 49 J 214)

31.10.

Ankunft des Königs und der Königin von Sardinien unter Begleitung des österreichischen Kaisers

01.11.

Ankunft des Königs von Neapel; Familien-Diner beim Kaiser von Österreich

03.11.

"Die hiesigen Vergnügungen sind sehr gering. Der König geht alle Abende mit uns ins Theater, wo in der Oper fortwährend dasselbe Stück und das nämliche Ballett gegeben wird, und zwar 'Arminius … In einem kleinen andern Theater werden Komödien gegeben und Operetten, wo man natürlich auch nichts versteht. Doch geht der König auch oft hin und ennuyiert sich mit uns um die Wette ...Gestern Abend waren wir zum Konzert bei Metternich, wo die Veroneser - hässliche - Welt erschien. Unter den Diplomaten fand ich aber sehr viel Bekannte ... (Den 31.) Vor einigen Abenden waren wir bei der Gräfin Lieven, wo sich nur Diplomaten versammeln, aber doch keine Politik verhandelt wird. Alle diese Gesellschaften gehen erst um zehn Uhr an und gewähren wenig Unterhaltung ..." (Jagow)

04.11.

Familiendiner beim Kaiser von Österreich. Illumination (Namenstag der Kaiserin von Österreich).

05.11.

Über Ferrara, Bologna, Forli, Ancona, Macerata, Spoleto, Civita Castellana nach Rom. Ankunft am 11.11. Louise von Zenge schreibt in einem Brief: "Ob ich mich auf die Ankunft meines Königs freue! wie ein Kind. Wenn er mir nur nicht den Streich spielt und sich gar nicht sehen lässt, er soll sich alle Gesellschaften verbeten haben. Es kommen aber auch viele andere mit, auf die ich mich freue, und die werden nicht so spröde sein, General Kleist, General Block, Major Schöning u .s. w. Es ist doch etwas Mächtiges und Wunderbares um die Liebe zum Vaterlande! wie ich mich auf die preußischen Gesichter freue!!!" (BPH, Rep. 49 C I Nr. 43)

11.11. bis 18.11.

Aufenthalt in Rom.

ab 19.11.

Fortsetzung der Reise. Luise von Zenge berichtet: "…muss ich Dir doch von der Ankunft meines vielgeliebten Königs erzählen. Ich glaube wirklich, ich habe mich das ganze Jahr meines Hierseins nicht so gefreut, mich nicht so glücklich gefühlt als seit seiner Ankunft. Den 21. fuhren wir ihm entgegen, über das schöne Marsfeld, über das er geführt werden sollte um Neapel sogleich in seiner ganzen Herrlichkeit vor sich zu sehen. Es kam aber die Nachricht, er besähe sich die Festung Gaeta, und würde zwei Stunden später eintreffen; da kehrten wir betrübt wieder um. Den Abend aber, wie wir ins Theater kommen, trat er auch bald nach uns in seine Loge, und mir schlug das Herz vor Freuden bis unters Kinn. General Natzmer besuchte Koller in unserer Loge und sagte mir: der König hat sie erkannt und sich erkundigt, wie sie hierher kommen. Den andern Tag war ihm zu Ehren große Wachparade, und Baron Frimont hatte den König eingeladen, von seinem Balkon den Vorbeimarsch zu sehen. Sämtliche Generals-Frauen, die Herzogin von Sagan, die Baronin Ramdohr und ich waren auch dazu eingeladen. ...Es gefällt dem Könige und den Prinzen hier so außerordentlich gut, dass sie lieber hier bleiben möchten, und der König ist in so außerordentlich guter Laune wie ihn seine Umgebungen lange nicht gesehen haben. ... hier ist er schon auf dem zweiten Balle erschienen ... Wir haben dem Könige jetzt unsere Loge eingeräumt. Da er inkognito hier ist, hat er die Loge des Königs [sc. von Neapel] nicht annehmen wollen ... Er hat hier auch Visitenkarten als Graf von Ruppin herumgeschickt ... Ich muss sehen, dass ich so eine Karte stibitze, dann bringe ich sie Dir als Merkwürdigkeit mit. Prinz Wilhelm auch als Graf Lingen, Prinz Karl als Graf Hohenstein."

20.11.

Prinz Wilhelm schreibt an Charlotte: "Papa gefällt sich ungemein hier und hat schon zwei Tage zum Aufenthalte zugegeben, so dass er erst am 4. Dezember abgeht. Der Hof des Herzogs von Kalabrien geniert ihn wenig, indem der Herzog ein sehr freundlicher Herr ist, der sich zerreißt, um dem König nicht lästig zu werden." (Pagel)

21.11. bis 06.12.

Aufenthalt in Neapel. - "In dem Pompejanischen oder Bibliothekszimmer seines späteren Palais Unter den Linden 9 hat der Prinz eine Anzahl von Werken antiker Kleinkunst … aufbewahrt, die von dieser Reise stammen. Die oft vertretene Meinung, Wilhelms Interesse habe ausschließlich militärischen Fragen gegolten, wird wie durch die hier wiedergegebenen Briefe so auch durch diese selbst angelegte Antikensammlung widerlegt." (Bailleu) Der König schreibt an Charlotte: "Nur zwei Worte, liebe Charlotte, denn dass mir hier in Neapel, wo ich alles im Fluge sehen muss, nicht viel Zeit zum Schreiben bleibt, kannst Du Dir wohl denken; und diese zwei Worte schreibe ich Dir nur in der Absicht, um Dir zu sagen, dass Neapel der erste Ort in Italien ist, in dem es mir behaglich vorkommt, fast so behaglich wie in Paris, mit dem es ohnehin hinsichtlich des Treibens und des Verkehrs in den Gassen manches übereinstimmendes hat. ... Den 4. gehe ich von hier ab, gedenke bis nach des Kaisers Geburtstag in Verona zu bleiben und dann nach der lieben Heimat zurückzukehren." (Bailleu)

24.11.

Am Abend gibt der Neapolitanische Hof ein Fest für den König - "Es wurde im Schloss auf einem sehr hübschen Theater eine kleine Cantate, mit Tanz verwebt, dem König zu Ehren gegeben … und zuletzt krönten die Musen sein [Friedrich des Großen] Bild und Friedrich der Große stieg vom Himmel herab! - Seine wohlbekannten Stülpstiefeln mit Sporen erschienen eine Weile vorher, dann kam er nach, von Genien umgeben. Das machte sich so komisch, dass der König anfing zu lachen ... dass ihm die Epauletts nur so wackelten. ... Eine sehr angenehme Überraschung war mir noch an diesem Abende den König, die Prinzen und das Gefolge in Uniform zu sehen, sie hatten für diesen Tag das inkognito abgelegt." (Cohnfeld)

25.11.

Ausflug nach Portici und zum Vesuv. Die für den 04.12. geplante Rückreise muss auf den 07.12. verschoben werden, "weil die Schiffbrücke über den Garigliano durch den von Regengüssen sehr angeschwollenen Fluss zerstört worden war. ... Den 7. Dezember verließ der König Neapel, die Prinzen Wilhelm und Karl blieben noch einige Tage zurück. Der König traf am 8. in Rom ein." (Klöden) Der König schreibt an den Kronprinzen: "Meine Reise von hier ist bis auf den 5. aufgeschoben, meine Abreise nach Verona bleibt jedoch unveränderlich auf den 26. festgesetzt; von da aber sind die Reisewege wegen .. Beschaffenheit der Wege noch nicht reguliert worden. ... Mich verlangt herzlich nach Hause, denn die Rückreise im Dezbr. und Januar gehört eben nicht unter die angenehmsten Aussichten, wenn mir nicht jeder Schritt der lieben Heimat näherte." (BPH, Rep. 49 J Nr. 214)

07.12.

Beginn der Rückreise über Terracina nach Rom, Ankunft am 08.12.

08.12. bis 10.12.

Rom.

11.12. bis 14.12.

Beginn der Reise nach Florenz. Ankunft am 14.12.

15./16.12.

Florenz.

17.12. bis 20.12.

Weiterreise nach Verona, Ankunft am 20.12.

ab 21.12.

Abreise von Verona. Am 03.01.1823 trifft der König wieder in Potsdam ein.

 

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