Dr. Gaby Huch | Roedernstraße 49 b | 12623 Berlin | 0172 2736985 | gaby@huch.berlin
Dr. Gaby Huch | Roedernstraße 49 b | 12623 Berlin | 0172 2736985 | gaby@huch.berlin

1840

01.01.

Für den Weg von Berlin nach Potsdam um 12 Uhr nutzt der König die Eisenbahn. Sie habe 40 Minuten benötigt, notiert er in seinem Tagebuch. Er bleibt bis 04.01. in Potsdam.

04.01.

Rückkehr nach Berlin mit der Eisenbahn (37 Min.).

06.01.

Ankunft des Prinzen Fritz von Mecklenburg

11.01.

Prinz Wilhelm schreibt an Charlotte: "Wir haben jetzt sehr interessante Debatten im Staatsrat, nämlich die Revision der Gesetzgebung … Ich muss Butt das Zeugnis geben, dass [er] vortreffliche Ansichten entwickelt und fast immer siegt, so neu oft seine Ideen sind. Und dabei ist natürlich ungemein interessant zu denken, dass er die Gesetze machen hilft, nach denen er einst regieren wird."

16.01.

In Berlin findet eine "große maskierte Schlittenfahrt der Studenten" statt.(BPH)

18.01.

Der König habe " sehr alt und hinfällig aus(gesehen); der Kronprinz aufgeschwemmt und erhitzt, die Kronprinzessin blass zum Mitleid; die Prinzessin Wilhelm (Augusta) sah gesund und rüstig aus, scharf und gebieterisch, klug und willensvoll, aber für die meisten Menschen nicht günstigen Eindrucks; Prinz Wilhelm noch stets etwas kränklich, Prinz August rüstig, aber stumpf und zerstreut. Stoff die Fülle zu allerlei Betrachtungen", so Varnhagen.

19.01.

Nach der Ordensfeier findet ein Gala-Diner in der Bildergalerie statt. Am Abend wird die Oper Die Vestalin von Spontini aufgeführt.

20.01.

Alexander von Humboldt schreibt an August von Hedemann: "Der gute König war 3-4 Tage recht unwohl, aß nicht mit. Gestern ist er aber doch wieder erschienen, er war sehr lebendig, sah aber recht angegriffen aus. Man fürchtet, dass das omineuse Jahr auch seine Injonction etwas erschüttert. Er hat zum Hofprediger Sack in dem Sinne einige bedeutende Worte gesagt. Er schmerzt mich, dass er von dieser Besorgnis gequält werde, die auf die Gesundheit reagierend wirkt und durch das beständige Geschwätz von dem Monumente Fr. des Großen erneuert wird. Der alte Bischof setzt sein Nürnberger Schachtelsystem durch, in der Gottesfurcht liegt die Ehrfurcht vor dem angestammten König, in dieser Ehrfurcht liegt die ewige Treue zu beiden Herren, Gott und König. So sagt die Thronrede. Dazu Objektivität und Subjektivität, ein philosophischer Anklang und der sonderbare Dualismus, nach dem alles beim Alten bleiben und zugleich fortschreiten muss. 'Die Monarchie ist übrigens wie der agonische Körper, der Magen, für den alle Glieder arbeiten, den alle nähren.' So hat uns die Thronrede zur Tafel geführt. Morgen gehen wir wahrscheinlich zum letzten Male vor Frühjahr nach Potsdam." (Ms., A. v. Humboldt-Arbeitsstelle, BBAW)

21. bis 23.01.

Der Hof ist in Potsdam.

23.01.

Rückkehr des Hofes nach Berlin.

27.01.

General von Tippelskirch erhält ein "Begräbnis mit militärischen Honneurs". (BPH)

29.01.

Ball bei Minister von Nagler

01.02.

Friedrich Wilhelm III. schreibt an Charlotte: "Morgen nehmen die eigentlichen 4 Karnevalswochen ihren Anfang und nächsten Dienstag wird das große Dejeuner dansant, wobei das diplomatische Corps erscheint, stattfinden. Dieser Tag wird diesmal für mich doppelt beschwerlich sein, da ich seit mehreren Wochen schon von allerhand katarrhalisch- hämorrhoidalischen Übeln heimgesucht werde, die mich ... sehr inkommodieren." (BPH)

03.02.

Dejeuner dinatoire bei Prinz Karl

04.02.

Dejeuner dansant der Gesandten im Palais

06.02.

Ball beim Kronprinzen. Ankunft des Erbherzogs von Mecklenburg-Strelitz

08.02.

Besuch der Porzellanmanufaktur. "Fête de Flore. Bal paré et masque" im Schauspielhaus (BPH)

10.02.

Theaterprobe im Prinzessinnenpalais. Nach dem Souper Ball

12.02.

Ball bei Prinz Wilhelm

14.02.

Ball bei Graf Arnim

15.02.

Subskriptionsball

18.02.

Dejeuner dansant im Palais. Tod der Prinzessin Elisabeth von Braunschweig, erste Gemahlin König Friedrich Wilhelms II., in Stettin

19.02.

Ball bei Prinz Karl

24.02.

Theaterprobe im Prinzessinnenpalais. Nach dem Souper und Ball

25.02.

"Großes Carroussel und Quadrille in der Seger[schen] Bahn, vorgestellt durch das Offiziers-Corps des Garde-Dragoner-Regiments" (BPH)

26.02.

Ball und Souper bei Prinz Albrecht

28.02.

Ball bei Graf Arnim

29.02.

Ankunft Großherzog und der Großherzogin von Mecklenburg-Strelitz mit beiden Prinzessinnen. Maskierter und unmaskierter Ball in den Sälen des Schauspielhauses

01.03.

Nach dem Besuch der Kapelle - wie bereits alle Sonntage des Jahres - nimmt der König die Parade ab. Nach dem Diner bei der Großherzogin besucht er den Ball bei Prinz Wilhelm.

02.03.

Ball und Souper beim Kronprinzen

03.03.

Kostümball bei Prinz Wilhelm

05.03.

Dejeuner dinatoire bei Prinzessin August im Gewächshaus von Bellevue

 

"Es war eine lange, dem Könige lieb gewordene Gewohnheit, im Frühjahr wöchentlich nach Potsdam zu fahren, und zwar geschah dies des Sonnabends. Er blieb dann den Sonntag dort und kehrte Montag wieder. Es begleitete ihn außer der Fürstin immer der Reihe nach eine Familie seiner verheirateten Kinder. … Seit Wochen schauten die Bewohner Berlins vergeblich nach dem kleinen gelben Wagen aus, in dem sie gewohnt waren, den alten verehrten König spazieren fahren zu sehen. In Regen und Sturm sah man sonst zwischen 12 und 1 Uhr seinen so einfachen halben Wagen, wie ihn schon damals niemand mehr besaß, und den jetzt kaum eine Kammerfrau gebrauchen würde, die Linden hinunterfahren. Ein alter Kutscher und ein alter Bedienter in blauen Röcken und roten Kragen begleiteten ihn und das einzige Ausgezeichnete an der unscheinbaren Equipage waren die schönen Trakehner Pferde, die den Wagen zogen. Aber jeder Mensch vom Greise bis zum Kinde kannte den gelben Wagen, und niemand sah den geliebten und hochgeehrten Herrn ohne still zu stehen und zu grüßen, denn man wusste, sein Adlerblick erkannte bereits von weitem jeden, dem er begegnete, und sein kurzer, fast strenger militärischer Gruß, mit dem er jedem einzelnen dankte, trug dennoch Abstufungen in sich, die den Menschen zeigten, dass er sie persönlich bedachte." (Marwitz)

07.03.

Ankunft des Herzogs von Nassau; Diner in der Galerie

11.03.

Theaterprobe im Prinzessinnenpalais, Souper und Ball

12.03.

Diner in der Galerie

17.03.

Dejeuner dansant im Palais

21.03.

Theaterprobe im Prinzessinnenpalais, Souper und Ball

22.03.

Nach Besuch der Kapelle und der Parade Dejeuner dinatoire bei Prinz Wilhelm aus Anlass dessen Geburtstages

25.03.

Probe der großen Potsdamer Quadrille im Saal des Schauspielhauses; Kostümball mit Quadrille des Kronprinzen im Saal des Schauspielhauses und Souper

27.03.

Ball bei Minister von Rochow

28.03.

Das Dejeuner dansant bei Prinz Albrecht ist das letzte Hoffest, dass der König besuchte. Beginn der Erkrankung. In den folgenden Wochen besucht er noch sonntäglich die Kapelle und kommt gelegentlich nach Charlottenburg und Potsdam.

29.03.

Abreise der Großherzogin und ihrer Töchter

01.04.

Abreise des Großherzogs und des Erbgroßherzogs von Mecklenburg-Strelitz

02.04.

Ankunft des Großfürsten-Thronfolgers

03.04.

Am großen Diner in der Galerie nimmt der erkrankte König nicht teil.

05.04.

Dejeuner dinatoire im Prinzessinnenpalais. Abreise des Großfürsten von Darmstadt

25.04.

Ankunft Fritz von Mecklenburg-Strelitz

08.05.

Alexander von Humboldt schreibt an Friedrich von Schöler: "Bei uns gestalten sich die Sachen trüber, nächtliches Eis, ein Staub wie in der Sahara, Klagen der Landleute, und was ernster als alles ist, eine noch immer zunehmende Kraftlosigkeit des guten Königs. Er gewährt einen traurigen Anblick. Eine sichtbare Krankheit ist nicht vorhanden, aber die entschiedenste Appetitlosigkeit, Widerwille vor aller Fleischnahrung. Er hat Schönlein konsultiert, während eines viertätigen Aufenthalts, den wir soeben in Potsdam gemacht. Man will Einreibungen und Bäder von Meersalz und Fleischbrühe versuchen. Die unentschiedene Frage ist, ob es das Eintreten eines traurigen 'Marasmus senilis', ein fortschreitendes Ermagern und Hinwelken, oder eine zufällige Atonie der Magennerven als Folge des vorhergegangenen Katarralfiebers, ist. Ich hege noch immer die Hoffnung, dass letztere Ursache die wahre sei, obgleich eine fortdauernd, miöd-freundliche Stimmung auf das krankhafte innere Gefühl der Schwäche zu deuten scheint. (Ms., A. v. Humboldt-Arbeitsstelle, BBAW

10.05.

Letzter Besuch der Oper (Die Hamadryaden von Adam).Ab diesem Tag verlässt der König mit Ausnahme des Besuchs der Kapelle am 13.05. seine Gemächer nicht mehr. Die Manöver in Nedlitz am 14.05. nimmt der Kronprinz ab und auch die Parade Unter den Linden am 22.05. findet ohne ihn statt: "Es war ein trüber Tag, der Regen fiel in Strömen herunter. Trotzdem war der Platz vor dem Palais gedrängt voller Zuschauer, aber alle hatten sich so gestellt, um die Fenster des Königs zu sehen, in der Überzeugung, er werden den Vorbeimarsch seiner Truppen noch einmal, wohl zum letzten Male, mitansehen wollen." (Marwitz)

27.05.

Prinz Wilhelm schreibt an Alexandrine: "Gestern hat Papa mit einem Male befohlen dass am 1. Juni der Grundstein zum Monument Friedrich II. gelegt werden soll. Es muss also alles in größter Eile vorbereitet werden. Eben steht Schinkel vor meiner Rampe mit seinen Getreuen, und sie messen nach allen Richtungen. Richte Dich also so ein, dass Du am 31. abends hier bist, da die Zeremonie den 1. vormittags sein soll. Es werden Truppen dazu ausrücken und das Ganze möglichst grandios eingerichtet werden."

28.05.

Der König verlässt das Bett nicht mehr, am 31. Mai enden seine Tagebuchaufzeichnungen.

30.05.

Ankunft der Prinzessin Luise und des Prinzen

01.06.

Grundsteinlegung für das Denkmal Friedrich II. von Christian Daniel Rauch vor dem Eingang zur Lindenpromenade, Unter seiner Kabinettordre hatte der König bemerkt: „'Soll nicht gezögert und nicht geknickert werden.“ Prinz Wilhelm erhält das Kommando der Heerschau. Reedern schreibt: Die "Leibkompagnie von Potsdam mag man gleich hier behalten zur Leichenparade."

 

Anlässlich der Grundsteinlegung schreibt Alexander von Humboldt, "dass die Huld eines teuren Monarchen in allen Teilen des vergrößerten Reiches für Begründung wissenschaftlicher Anstalten und die edlen Blüten des Kunstlebens großartigst gesorgt hat". Der Astronom Fr. W. Bessel antwortet ihm nach dem Tod des Königs: "Wenn der König einen als Freund betrachtet hat, so sind Sie es gewesen. ... Auch ich beklage innig, dass ein so schönes und seltenes Verhältnis zerrissen worden ist."

02.06.

"Am Morgen dieses Tages hatte eine Deputation der Stadt dem Könige einen Lorbeer- und Palmenkranz überbringen wollen.“ (Marwitz)

03.06.

Ankunft der Kaiserin von Russland mit ihrer Tochter

06.06.19140

Schließung der Berliner Theater. "Man setzte voraus, dass kein Einwohner Berlins den Wunsch habe, während des letzten Kampfes seines Königs sich ein Vergnügen verschaffen zu wollen. Es sprach sich dieser Sinn auch ohne einen Befehl von oben herab aus. Die größte Einnahme der Wirtshäuser in der Umgegend der Stadt besteht in den sehr besuchten Frühkonzerten zu Pfingsten. Sie haben die Verpflichtung, diese Konzerte bei der Polizeibehörde anzuzeigen. Dies war wie gewöhnlich geschehen, aber am Sonnabend wurden sie von allen Lokalen wieder abgemeldet und die Stadt, die sonst an diesem Feste den Charakter der Freude an sich trägt, machte diesmal den Eindruck eines Hauses, wo Familientrauer herrscht."

07.06.

Eintreffen des Kaisers von Russland. Tod Friedrich Wilhelms III. im Alter von 70 Jahren im 43. Regierungsjahr. "In den ersten Stunden nach dem erfolgten Ableben war jedem, wer es auch sei, der Eintritt in die Gemächer verstattet worden … Späterhin wurde dies bei den andringenden Massen einen Unmöglichkeit." (Klöden) - Man glaubt allgemein, das der König sich nicht Friedrich III., wie man früher der Meinung war, nennen wird, sondern Friedrich Wilhelm IV. Prinz Wilhelm heißt nun Prinz von Preußen." (Bülow) Am Abend erfolgt die Vereidigung der Truppen auf den neuen König. Eine Amnestie betrifft u.a. Ernst Moritz Arndt und den, Turnvater Jahn.

08.06.

Empfang einer Deputation des Magistrats und der Stadtverordneten von Berlin

09.06.

Aufbahrung der Leiche in der Uniform des 1. Garde-Regiments mit Feldmütze und Mantel. Da der König die öffentliche Aufstellung seiner Leiche verboten hatte, fand statt dessen die Ausstellung des Paradesarges am 10.06. statt Landestrauer nach den Bestimmungen des Trauerreglements vom 07.10.1797

11.06.

Nach dem Leichenbegängnis im Dom nach einer durch den König vorab festgelegten Zeremonie beginnt in der Nacht die stille Überführung nach Charlottenburg und die Beisetzung im Mausoleum des Charlottenburger Schlossparks neben Königin Luise. -Marwitz kritisiert: "Die Trauerpracht einer öffentlichen königlichen Bestattung hat etwas Grauenhaftes. Alles, was Erdenschmuck und Pomp heißt, wird noch auf diesem letzten Gange entfaltet … Alle Kinder und Schwiegerkinder waren dem Vater zu Fuß gefolgt, nur die Kaiserin nicht; sie war zwar wirklich leidend, aber man vermisste sie ungern. Ebenso war auch die Fürstin Liegnitz nicht unter den Leidtragenden. Man hatte nicht gewusst, welcher Platz ihr eingeräumt werden sollte … Hier trat zuerst die Richtung, dem Hofe eine strenge Etikette zu geben, störend hervor." - In seinem Kondolenzbrief an Wittgenstein schreibt Metternichs: "Niemand weiß besser als Sie, wie fest ich auf den König zu bauen wusste, und ebenso gut wissen Sie, mit welcher Milde derselbe oft nicht gefällige Aussprüche auszunehmen wusste, welche mir die Stimme meines Gewissens auferlegte. Wenn Sie in dem Verewigten alles verloren haben, so habe ich mehr in ihm verloren, als dies alle Welt wohl ahnen dürfte (VI. HA, NL Wittgenstein VI, 3, 14)

17.06.

Friedrich Wilhelm IV. schreibt an das Staatsministerium wegen der Veröffentlichung des letzten Willens des Königs. "Der Helden-König aus unserer großen Zeit ist geschieden … Ich bitte Gott, den Lenker der Herzen, das Er die Liebe des Volks, die Friedrich Wilhelm III. in den Tagen der Gefahr getragen, ... auf mich, Seinen Sohn und Nachfolger, übergehen lasse, der ich mit Gott entschlossen bin, in den Wegen des Vaters zu wandeln. Mein Volk bete mit mir um Erhaltung des segensreichen Friedens, des teuren Kleinods, das er uns im Schweiße seines Angesichts errungen und mit treuen Vaterhänden gepflegt hat; - das weiß ich - sollte dieses Kleinod je gefährdet werden, - was Gott verhüte - so erhebt sich mein Volk wie ein Mann auf meinen Ruf, wie sein Volk sich auf seinen Ruf erhob. Solche in Volk ist es wert und fähig, königliche Worte zu vernehmen, wie die, welche hier folgen, und wird einsehen, dass ich den Anfang meines Regimentes durch keinen schöneren Akt als die Veröffentlichung derselben bezeichnen kann."

01.07.

Nicht nur Landrat Kleist von Nollendorf empfindet das "allgemeine große Interesse, welches alle Klassen des Volkes an dem durch Seine Majestät den König der Öffentlichkeit übergebenen letzten Willen des hochseligen Königs Friedrich Wilhelm III. Majestät genommen haben und fortdauernd nehmen". Der Oberpräsident der Provinz Sachsen erwägt einen "Sonderdruck" zur Einlage in die "Bibel, Gesangbücher oder diejenigen Familienbüchen, welche zur Erinnerung dienen. (StA Halberstadt, Bestand Magistrat Nr. 2.7.020)

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Gaby Huch